Übrigens…

images…sind nicht Muslime für die Anschläge des 11. September verantwortlich. Der größte Terroranschlag der neueren Geschichte hat den Amerikanern und ihren Verbündeten Tür und Tor für ihre aggressive Außenpolitik geöffnet und dafür gesorgt, dass vermeintlich demokratische Gesellschaften zu Polizeistaaten umgewandelt wurden. Den Muslimen brachte es nur Tod und Leid.[1][2]

…war der Irak nie in Besitz von Atomwaffen und hatte keinerlei Verbindungen zu Al- Qaida. Die einzigen Gründe warum 500000 Muslime sterben mussten und das Land bis heute geplündert wird[3]

…sind es ausschließlich Muslime, die in Guantanamo, Abu Ghuraib, Bagram, Diego Garcia und den Kellern arabischer Despoten auf Befehl der Weltpolizei verrotten und gefoltert werden. Kein derartiges Gefängnis speziell für Nicht-Muslime ist bekannt

…haben die Palästinenser im letzten sogenannten Gaza-Krieg (zum Krieg gehören zwei ebenbürtige Gegner) 3 jüdische Zivilisten getötet. Israel dagegen hat mehr als 1200 Muslime getötet, 2000 Kinder, 1170 Frauen und 257 alte Menschen verwundet. Dabei haben sie ganze Familien ausgelöscht.[4]

…führen die Palästinenser keine Gefängnisse für israelische Bürger. Allein 2012 befanden sich 4706 Muslime in israelischen Gefängnissen, davon 220 Jugendliche (35 unter 16 Jahren) und 6 Frauen. Seit der Gründung Israels wurden nach Schätzung der Vereinten Nationen 700000 Palästinenser verhaftet.[5]

…töten die Amerikaner mit Hilfe von Drohnen bis heute tausende Zivilisten darunter immer wieder Kinder in Pakistan, Afghanistan, im Jemen und Somalia und Gott weiß, wo noch. Ächtung oder Verurteilung? Fehlanzeige. Die Ermordeten: Muslime[6]

…wurden bislang 500 Muslimbrüder unter dem neuen Schergen der Amerikaner in Ägypten zum Tode verurteilt. Ihr Verbrechen: Teil einer demokratisch gewählten Regierung gewesen zu sein. Entsetzen des Westens über Todesstrafe? Fehlanzeige. Übrigens, der Despot und Diktator Mubarak wurde nach 30 Jahren Schreckensherrschaft durch die jetzige an die Macht geputschte Regierung freigelassen. [7]

…starben in Deutschland seit seiner Gründung 0 Personen durch den sogenannten islamistischen Terror. Dagegen 144000 Rauchertote, 3300 Opfer des Passivrauchens (davon 1500 Säuglinge), 40000 Alkoholtote, 2000 Herointote und 4000 Verkehrstote jährlich. Laut WHO allein durch Rauchen weltweit 5.4 Millionen Tote. Das ist so als ob, jede Stunde ein Jumbojet abstürzen würde. Übrigens, Zigaretten wachsen nicht auf Bäumen. Wo kein Kläger da kein Richter[8]

…sind die Enthauptungsvideos der ISIS gefälscht. Der einzige Grund für den Westen sich an Luftschlägen in Syrien und dem Irak zu beteiligen. Übrigens, wirklich amateurhaft gemacht, reicht aber scheinbar heute aus, um die Menschen zu überzeugen[9]

…gibt es keine entführten Mädchen durch Boko Haram. Nur ein weiterer Versuch in Nigeria einzumarschieren, wie in Mali schon geschehen, jetzt in Sierra Leone und wir sind gespannt welche Länder folgen. Übrigens, alles Länder mit vornehmlich muslimischer Bevölkerung.[10]

…haben die Muslime keine Atombombe geworfen. Es war jemand anders.

…fanden fast alle Kriege des 20. und 21. Jahrhunderts ausschließlich aus materiellen Gründen vor allem dem Öl statt. Und es waren nicht islamische Staaten, die ihn stets begonnen haben. Ihre Gier nach dem schwarzen Gold hält sich in Grenzen. Die haben es ja und brauchen nicht so viel, weil sie unter anderem keine besonders ausgeprägte Kriegsindustrie haben.[11]

…sind es nicht die Muslime, die sich öffentlich über andere Religionen und ihre Propheten belustigen. Selbst das so gescholtene Saudi Arabien oder die ungeliebte Türkei lassen es nicht zu, dass Jesus in irgendeiner Form karikiert wird

…brennen Kirchen und Synagogen nicht in islamischen Ländern. Moscheen in Christlichen dafür immer öfter[12]

…so weiter und so fort

Übrigens, interessiert das überhaupt noch irgend jemanden ernsthaft? Die Tinte, mit der Geschichte niedergeschrieben wurde, ist längst getrocknet, und der Islam bleibt scheinbar die Gefahr für die vermeintlich freie Welt.

Quellen:

[1] http://alles-schallundrauch.blogspot.co.uk/2007/07/die-mutter-aller-lgen-um-911.html

[2] https://www.youtube.com/watch?v=VhqHf2FzhO4

[3] http://www.sueddeutsche.de/politik/us-studie-iraker-starben-im-irak-krieg-1.1795930

[4] http://antikrieg.com/aktuell/2014_07_30_raub.htm

[5] http://www.palaestina-portal.eu/texte/Palaestina_israel_gefangene_gefaengniss.htm

[6] http://www.ag-friedensforschung.de/themen/Drohnen/tote.html

[7] http://www.spiegel.de/politik/ausland/aegypten-verurteilt-mehr-als-500-muslimbrueder-zum-tode-a-960356.html

[8] http://www.pafnet.de/index.php?name=AndyReviews&id=9946

[9] http://info.kopp-verlag.de/hintergruende/geostrategie/paul-joseph-watson/kriminaltechniker-erklaeren-enthauptungsvideo-ist-moeglicherweise-manipuliert.html

[10] http://info.kopp-verlag.de/hintergruende/enthuellungen/gerhard-wisnewski/wenn-boko-haram-zweimal-klingelt-luegengeschichten-ueber-den-islamistischen-terror.html

[11] http://free21.org/sites/free21.org/files/article_pdf/low_resolution/free21_-_de_-_oilwars_low_3_0.pdf

[12] http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2014-08/moscheen-anschlaege-islamfeindlichkeit-ignoranz

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„Nicht jeder Salafist ist ein Terrorist, aber fast jeder Terrorist ist ein Salafist“

A-Muslim-man-praying-alone1Mit diesem Statement, das man in der letzten Zeit immer häufiger hört, haben einige Regierungs- und Medienvertreter den Muslimen in Deutschland einen Bärendienst erwiesen, wobei Zweifel an einer guten Absicht durchaus berechtigt sind. Stellen sie sich vor, sie leben als eine Minderheit von Deutschen in einem anderen Land und sie hören immer wieder: nicht jeder Deutsche ist böse, aber fast alles Böse kommt von den Deutschen. Ich bezweifele, dass sie immer noch gerne auf die Straße gehen und sich länger als ein Teil der hiesigen Gesellschaft fühlen, zumal es ihnen ja nicht auf der Stirn geschrieben steht, von den Guten zu sein. Die Juden im Dritten Reich wurden mit der gleichen Aussage konfrontiert und gebrandmarkt, was am Ende die vermeintlich Guten auch nicht gerettet hat. Doch nein, zieht man derartige Vergleiche heran, kommt Empörung schon gewohnheitsmäßig auf, wird doch hier lediglich der Extremist verurteilt und nicht der gemeine Muslim und man solle bitte nicht stets die Opferkarte ausspielen, schließlich sind es die Christen, die weltweit verfolgt werden und in Saudi Arabien nicht einmal das Recht haben, ihre Religion frei ausleben zu dürfen. Punkt. Aus.

Ein Glück, dass Papier geduldig ist und es immer noch Menschen gibt, denen einfache Slogans und Pauschalurteile zu wenig sind, um sich eine Meinung zu bilden. Ich habe zwar Zweifel, dass hier am Ende die Vernunft der Vernünftigen siegt oder zumindest hilft, weil sich jene selber in diesem System nicht mehr helfen können und nur noch ein Spielball der Obrigkeit geworden sind, denn die Aufgabe des vermeintlichen Proletariats ist schon lange nicht mehr mitzubestimmen und zu verändern, sondern einzig und allein zu konsumieren und – wie manch einer schon sagte – seine Stimme in der (Wahl)Urne zu begraben. Dennoch ist es Wert, sich für das Richtige einzusetzen, um auch morgen in den Spiegel schauen und diese Welt mit gutem Gewissen verlassen zu können. Und wer weiß, vielleicht wird die Vernunft am Ende doch siegen und Wohl dem, der seinen Beitrag dazu geleistet hat.

Ich komme leider nicht drum herum, wieder Nazideutschland zu erwähnen bzw. vielmehr die Lehren, die man aus jener Zeit ziehen sollte, die jedem Schüler jeder Schule dieses Landes auf dem Weg in die weite Welt mitgegeben wurde: Nie wieder dürfen Gotteshäuser brennen. Entweder hat man einen guten Grund diesem Aufruf insbesondere in den letzten Jahre nicht folge geleistet zu haben oder Moscheen werden nicht als Gotteshäuser betrachtet, wie sonst sind 36 Anschläge auf Moscheen allein im letzten Jahr zu erklären[i]. Noch weniger zu verstehen, ist die Gleichgültigkeit und Zurückhaltung der Politik und Medien gegenüber diesem inzwischen scheinbar gewöhnlichen Ereignis, zumal das Bild eines brennenden Gebetshauses durchaus würdig wäre, mal auf einem Titelblatt zu erscheinen. Aber dies ist offensichtlich nur eine Randnotiz wert. Ist nun Deutschland was die Religionsfreiheit anbelangt tatsächlich in jeder Hinsicht besser als Saudi Arabien oder die Türkei, wo das Verbrennen von Kirchen nicht zum Alltag gehört? Man möge entgegnen, dass es auch dort unter den Tisch gekehrt werde, aber ich kann ihnen versichern, wenn dem so wäre, stünde es längst auf den Titelblättern der westlichen Presse – mit Bild wohlgemerkt – denn es wird keine Gelegenheit ausgelassen, diesen Ländern den Spiegel vorzuhalten und zu denunzieren.

Das im Titel erwähnte Zitat über den Salafisten wird nicht dazu beitragen, die Statistik von brennenden Gotteshäusern nach unten hin zu verbessern, vielmehr hat man damit den Zündstoff gemehrt, wie wir es vor allem in den letzten Tagen an den Ausschreitungen insbesondere in Hamburg und Celle sehen konnten. Da man nun Salafisten mit Terroristen gleichgesetzt hat, hat folglich jede Moschee mit salafistischer Gesinnung das Potential, eine Brutstätte des Terrors zu sein. Fakt ist, dass der Islam innenpolitisch das heikelste Thema zur Zeit ist, und nicht dass der eine oder andere zu der Schlussfolgerung kommt, jene Angriffe seien rechtens, da in ihnen Leute rekrutieren werden, die anderen Menschen die Hälse abschneiden und uns, die Christen, verfolgen und massakrieren. Allein Moschee und Rekrutierung in Verbindung zu setzen, ist ein Absurdum und eine sehr gefährliche Entwicklung. Wehret den Anfängen, kann ich da nur sagen.

Eigentlich ist es müßig zu erklären, wer oder was eigentlich ein Salafist ist, da sich der Westen bereits seine eigene Definition zurecht gelegt hat, sowie er zuvor allein bestimmen durfte, wer ein Terrorist sei. Der am Joystick eine Drohne lenkt, ist es schon mal nicht. Er tötet schließlich Frauen und Kinder für die gerechte Sache und im Namen der Demokratie, dazu noch zivilisiert mit einem Knopfdruck und nicht wie die Barbaren mit eigener Hand. Aber Wahrheiten hört man fast nur noch in den Narrenhäusern der Gesellschaft: dem Kabarett – dort aber bleibt sie und lustig wars auch.

Das Feuer wurde entfacht und der Muslim selber vermag es auch nicht mehr zu löschen. Dem im brennenden Haus bleibt nichts als die Flucht, und leider muss er dabei erkennen, dass auch Muslime mit ihrer Dummheit, Ignoranz und Arroganz mitgezündelt haben, indem sie der westlichen Politik in die Karten gespielt und es nicht einmal gemerkt haben. Nichtsdestotrotz bleibt der Anteil jener Ver- und Irregeleiteten verschwindend gering und das selbst – man höre und staune – unter den Muslimen salafistischer Gesinnung. Aber dies bleibt, wie bereits erwähnt, unerheblich weil ohne Wirkung, was allein dieser Satz dazu beigetragen hat:  fast jeder Terrorist ist ein Salafist, und der Erste bedroht ja die Weltordnung und somit folglich auch der Zweite.

Wie entzieht sich nun ein Muslim dem Verdacht, eine Bedrohung für diese Gesellschaft darzustellen? Mit Behauptungen friedlich und ein ehrlich arbeitender Bürger dieses Landes zu sein schon mal nicht. Das sagt er doch nur, um seine wahren Absichten und seine antiwestliche Agenda zu verbergen. Auch ein Geistlicher, der zum Dialog und zur Völkerverständigung aufruft, ist, wie der Spiegel  letztens eine Talkshow kommentierend schrieb, nichts als ein diabolisch grinsender Imam, der nun mal Salafist ist und uns nichts vormachen kann. Was also hilft, wenn das Wort versagt? Der Muslim möge den Bart kürzer oder am besten ganz abschneiden und die Muslima kann zwar das Tuch auf dem Kopf behalten, aber doch bitte ein bissel enger und bunter kleiden. Es folgt der allgemeine Protest und Einwand: wir wollen nicht den Islam verbieten, sondern wir möchten keine Salafisten unter uns haben. Und genau hier liegt das Problem.

Fragt man den Bürger auf der Straße, wer denn für ihn ein Salafist sei, beschreibt er in erster Linie sein Äußeres und weniger die Ideologie oder gar die Rechtschule, der er folgt, zumal das im Detail kaum jemand weiß, wobei selbst viele Muslime nicht einmal genau wissen, was die Salaf-Schule in Wahrheit beinhaltet. Der lange Bart oft kombiniert mit arabischer Kleidung und der Schleier oder weite dunkle Gewänder sind es, die der einfache Bürger mit dem Salafismus assoziiert. Das Problem dabei jedoch ist, dass dies Merkmale des Islams und nicht allein einer Richtung innerhalb desselben ist. Die Salaf-Schule ist eine Bewegung unter Vielen im Islam und um es einfach zu halten, sie ist vergleichbar mit der Orthodoxie des Christen- oder Judentums. Und nichts Verwerfliches oder Extremes ist darin zu erkennen, wenn der Mönch, Priester oder Rabbi einen langen Bart und die Nonne oder Ordensschwester dunkle Gewänder und gar eine Kopfbedeckung trägt und dabei alle in Vollem an die Bibel oder Thora glauben und sie praktizieren, indem sie Gottes Gebote achten und befolgen, sich von Wein und Spiel fern halten und ihr Leben nach dem Ewigen ausrichten. Und nichts Anderes ist der Islam und mit ihm der Salafismus. Jene Menschen, die im Namen des Islam Unrecht begehen, werden und wurden noch nie in der Geschichte dieser Religion seitens der Muslime und im Besonderen ihrer Gelehrten mit dem Salafismus in Verbindung gebracht, sondern einzig und allein mit ihrer Verirrung und Übertreibung im Glauben, was sie nicht selten zu Abtrünnigen des Islam machte. Und wenn Muslime dennoch heute den Salafismus und den Terrorismus miteinander in Verbindung bringen, dann nur weil diese Begriffe inzwischen anders definiert werden.

Aber leider helfen all diese Erklärungsbemühungen im Alltag herzlich wenig, zumal auch ich von den meisten Menschen auf der Straße vermutlich auf Grund meines etwas längeren Bartes als Salafist erkannt werde, obwohl ich mich selber nie anders als Muslim bezeichnet habe. Insofern schlummern auf Grund dieser neuen Maßstäbe auch in mir Kräfte, die jederzeit gegen alles und jeden ausbrechen könnten, was einfach völlig im Gegensatz zu dem steht, woran ich glaube und wonach ich am Jüngsten Tag gerichtet werde.

Wieder einmal die Opferrolle ausgespielt und völlig überzogen, würde manch einer sagen, doch seien wir mal ehrlich. Wenn wir in den Nachrichten hören, hier wurde ein Salafist verhaftet, dort eine Wohnung gestürmt, wer glaubt da schon an die Unschuld des Betroffenen? Oder ist es eher Erleichterung statt Sorge um den bärtigen Nachbarn, der gerade von der Polizei abgeführt wurde? Wen kümmert es noch, Hauptsache ein Bedrohungspotential weniger. Wen kümmern überhaupt die Menschen (wohlgemerkt: Menschen) in Guantanamo, die seit mehr als einem Jahrzehnt ohne Anklage dahinsiechen. Waren das übrigens auch Salafisten? Eigentlich eine ungewöhnliche Frage, aber warum? Weil der aktuelle Ismus von heute damals noch gar keine Rolle gespielt hat. Man hat es vorerst einfacher gehalten, denn der Begriff Terrorismus war schon als eine Abart des Bösen unter dem Normalsterblichen bekannt.

Das Rad, das immer größer und schwerer jedoch nicht langsamer zu seien scheint, lässt sich obgleich welcher Mühe nicht zurückdrehen und nicht einmal kurzweilig anhalten, vor allem weil Politik und Medien offensichtlich nicht einmal versuchen zu deeskalieren, stattdessen reden sie vom guten Muslim und schlechten Muslim und weiten den Krieg gegen den Terror auf allen Ebenen mit strammen Schritt aus. Besonders erschütternd finde ich, wenn man schon Kindern versucht zu vermitteln, welcher Muslim gut und welcher böse ist, wie es in der Nachrichtensendung für Heranwachsende Logo[ii] geschehen ist, in der man den Kleinen die Merkmale eines Salafisten in einer Minute an Hand von Bildern und Klischees hat erklären wollen. Die Juden konnte man einst an ihren langen Nasen und ihrer Gier nach Geld erkennen, die Salafisten heute am langen Bart und ihrer Kleidung. Geht’s noch?

Abschließend möchte ich festhalten, dass den Muslimen weltweit die Opferrolle durchaus zusteht, auch wenn sie nicht alleine dies für sich beanspruchen können. Schaut man heute auf die Konfliktherde der Welt, wird man ohne Mühe feststellen, dass ausschließlich nichtmuslimische Staaten andere Länder bombardieren, besetzen und plündern, und keineswegs umgekehrt. Und dabei sind es nun einmal vornehmlich Muslime, die in Afghanistan, Pakistan, Myanmar, Irak, Syrien, Palästina sterben und vertrieben werden, und dort, wo nicht gebombt wird, von westlichen Schergen regiert oder vielmehr unterdrückt werden. Gerne wird auf Saudi Arabien gezeigt, wenn es um den Islam auf politischer Ebene geht, aber ab dem Zeitpunkt der Gründung dieses Königreiches – übrigens mit der freundlichen Unterstützung und vor allem der Initiative der Engländer –  hat Saudi Arabien kein anderes Land besetzt oder angegriffen. Diese Tatsachen reichen immer noch nicht aus, ein Opfer sein zu dürfen, stattdessen fordert man sobald eine Handvoll von Extremisten irgendwo in der Welt ein Unrecht begeht – was aber auch erst bewiesen werden muss, das aber wiederum nicht immer geschieht – dass der Muslim sich von jenen Taten öffentlich distanziere und sich am liebsten hinter einem Plakat verbärge mit der Aufschrift Not in my name. Die Amerikaner dagegen haben ihren Präsidenten gewählt, und dennoch wird nicht von ihnen verlangt, die blutigen Taten ihres Oberhaupts zu verurteilen oder sich im Kollektiv zu schämen.

Es ist ein Spiel mit dem Feuer, die Welt in Gut und Böse aufzuteilen und mit den Ängsten der Menschen zu spielen, weil das naturgemäß Konsequenzen nach sich ziehen muss, die oftmals dazu verleiten, die Verhältnismäßigkeiten aus dem Blick zu verlieren. Ein gutes Beispiel neben dem Krieg gegen den Terror des westlichen Bündnisses ist Eins, das der Welt scheinbar völlig entgangen und in Vergessenheit geraten ist. Um sich vor Angriffen der Palästinenser aus dem Gaza-Streifen zu schützen, haben die Israelis einfach eine riesige Mauer entlang der gesamten Grenze gebaut und somit das Volk zum Gefangenen im eigenen Land gemacht. Es reichte nicht, den Hausbesitzer in die Besenkammer zu verweisen, sondern man riegelt sie ab, damit der Dieb vor dem Enteigneten sicher ist. Und damit nicht genug: man bricht in die Kammer ein und schmeißt Bomben hinein, mit dem Vermerk, ihn vorher gewarnt zu haben, um sich in Sicherheit zu bringen. So einfach geht das und die Welt schweigt und findet keinen Grund dieses Verbrechen offiziell zu verurteilen. Stattdessen verunglimpft man auch den leisesten Kritiker damit, ein Antisemit und ein Feind Israels zu sein.

Derweil werden hierzulande imaginäre Mauern zwischen den Kulturen gebaut und es wächst die Sorge, dass diese nicht allein in den Köpfen bleiben. Europaweit bilden sich Parteien und Gruppen aus Bürgern aller Schichten, deren Hauptagenda in der Bekämpfung des Islam liegt, auch wenn die meisten von ihnen behaupten, es nur auf den Extremismus abgesehen zu haben.[iii] Die Angst vor dem Salafismus hat es sogar geschafft, rivalisierende Fußball-Hooligans, die sich noch vor kurzem regelmäßig gegenseitig die Köpfe einschlugen, im Kampf gegen die Salafisten zu vereinen.[iv] Und es ist stark anzuzweifeln, dass ein grölender Mob bevor er zuschlägt, sich die Mühe macht, sich nach der genauen Gesinnung des vermeintlichen bärtigen oder verschleierten Opfers zu erkundigen. Es reicht inzwischen als Muslim nur noch an den Falschen zu geraten, ohne etwas gesagt oder getan zu haben.

Die Stimmung in Deutschland, zumindest was die muslimische Minderheit anbeglangt, ist alles andere als entspannt, und mit jeder neuen Schreckensmeldung aus jeglicher Ecke der Welt, wird es nun mal nicht besser und die Lage scheint jederzeit eskalieren zu können. Dabei ist weit und breit keine richtige Lösung erkennbar, ausser dass man den Salafismus bzw. seine Anhänger aus der Gesellschaft verband. Sollte das jedoch zukünftig der Weg sein, wie man mit ungeliebten Minderheiten oder Ideologien vorgeht, dann wird es möglicherweise nicht an dieser Stelle aufhören. Gestern waren es Terroristen, heute Salafisten und morgen? Muslimisten? Kuranisten? Ein jeder, der die Prinzipien des Kuran der herrschenden Ethik der Gesellschaft vorzieht? Mal ehrlich, ist ein Mensch noch gesellschaftsfähig und akzeptiert, der Homosexualität als eine Sünde vor Gott bezeichnet? – gesagt in einem Land, in dem es kein Dorf gibt, in dem nicht eine Kirche steht. Ich denke, da hört nicht nur die Akzeptanz sondern sogar die Toleranz auf und übrigens ebenso die Meinungsfreiheit, die sonst ja gerne gepriesen und herangeholt wird, wenn Gefühle Anderer verletzt werden – aber eben nur bestimmter Anderer. Die Büchse der Pandora habe ich damit hoffentlich nicht geöffnet, aber letztlich wäre es verlogen und gelogen, im Regen und Gewitter stehend zu behaupten, über uns befände sich keine dunkle Wolke. Und dennoch: dem heftigsten Sturm folgt stets der Sonnenschein, wie lang auch immer das dauern und wo immer man auch sein mag.

[i] http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2014-08/moscheen-anschlaege-islamfeindlichkeit-ignoranz

[ii] http://www.tivi.de/tiviVideos/kanal/880746?view=flash

[iii] http://www.spiegel.de/politik/ausland/geert-wilders-staatsanwaltschaft-ermittelt-gegen-rechtspopulisten-a-996252.html

[iv] http://www.heute.de/hooligans-vereinen-sich-gegen-salafisten-35277792.html


Zeichen der Zeit – aus der Geschichte lernen

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Aus der Entfernung sieht man klarer – diese Lektion lernte ich am Anfang meiner Schulzeit, als ich nach Vorne gerufen wurde, um eine Rechenaufgabe zu lösen. Erst dann habe ich begriffen, warum meine Mitschüler an der Tafel Schwierigkeiten hatten, die einfachsten  Aufgaben zu berechnen, während ich das Resultat nach kurzem Blick aus der Ferne bereits auf der Zunge hatte. Die beste Erklärung, die ich damals für diese Blockade vorbringen konnte, war dir Nervosität, vor der Klasse, die im Kollektiv wahrlich barbarische Zügen annehmen konnte, zu versagen.

Im Nachhinein wurde mir klar, dass es nicht allein die Angst vor dem Versagen und der Schmach war, die einen den Wald vor lauter Bäumen nicht erkennen lässt, sondern vielmehr das Fehlen des Gesamtbilds: man verliert buchstäblich den Überblick. Satt das Ganze erkennt man nun lediglich Bruchstücke, die wieder zur einer Einheit zusammengefügt werden möchten, was gewisse Qualitäten vom Einzelnen abverlangt. Er muss die Fähigkeit besitzen, die einzelnen Teile gedanklich richtig einordnen und zu dem einen Ganzen zusammenfügen zu können, und dies vermag er nur, wenn er das Gesamtbild nicht allein kennt, sondern vor allem das Prinzip verstanden hat.

Um die Gegenwart zu verstehen, muss man die Vergangenheit verstehen – wie manch ein Historiker sagt. Es ist das gleiche Prinzip wie oben beschrieben. Die Gegenwart spielt sich vor unseren Augen ab, doch oft begreifen wir sie nicht und nehmen die Zeichen der Zeit nicht wahr. Erst wenn wir aus einem gewissen Abstand zurückblicken, verfliegt der Nebel vor unseren Augen und wir sehen klar. Für Konsequenzen jedoch ist es dann meistens zu spät und achselzuckend beruhigen wir unser Gewissen mit Floskeln: im nachhinein ist man immer schlauer, wir wussten es nicht oder wir wurden angelogen. Von den überlebenden Deutschen des Dritten Reiches wird jene Ausrede nicht akzeptiert, obwohl sie jeden Grund gehabt hätten, sich damit zu rechtfertigen, außer Hitlers Propaganda keinen Zugang zur neutralen Presse gehabt zu haben, die damals in der Tat nur ausser Landes zu finden war. Man hat jedoch von ihnen nicht erwartet, die Wahrheit in Rundfunk und Presse zu suchen, sondern lediglich die Augen zu öffnen und sich nicht abzuwenden, zumal aus unserer heutigen Sicht das Böse zu offensichtlich war, um es nicht erkannt haben zu können.  Heute verlässt kein Schüler die Lehranstalt, ohne vom Holocaust gehört zu haben. Gibt es einen anderen Grund Geschichte zu lehren und zu lernen als aus ihr die richtigen Schlüsse zu ziehen, um sie sowohl auf unsere Gegenwart als auch Zukunft anzuwenden, um die selben Fehler nicht zu wiederholen und richtig zu handeln?

Ein anderer Weg die Gegenwart richtig deuten zu können, ist sich einen Schritt von der Tafel zu entfernen, um besser sehen und somit verstehen zu können. Vielleicht das herausstechende Merkmal unserer heutigen Welt ist die Informationsflut, die auf die Gesellschaft und den Einzelnen buchstäblich niederprasselt.  Es gab auch mal eine Zeit, in der man aus dem Haus musste, um zu erfahren, was um einen herum geschieht. Heute kommen Neuigkeiten zu uns, an jeden Ort und zur jeder Zeit, ob man will oder nicht, es sei denn man kappt die Leine bzw. verlässt den Stand-by-Modus. Man wird regelrecht von dieser Flut an Informationen erdrückt und die Sicht wird nicht unbedingt besser. Es bedarf schon des Blickes über den Tellerrand, um die Wahrheit zu finden, doch dies erfordert neben der richtigen und unvoreingenommenen Positionierung Zeit und Mühe. Und wer glaubt, die Wahrheit bei Springer und Co. finden zu können, der kann sich die Mühe sparen und ruhig in seinem Sessel zurücklehnen. Er sollte aber Wissen, dass die Wahrheit aus dem Munde eines Lügners nie der Wahrheit willen heraustritt, sondern rein aus Interesse materieller Natur. Zeitungen wie Bild und Die Welt wurden nach dem 2. Weltkrieg von den Siegermächten gegründet, nur ein Schelm der Böses dabei denkt?

Wo also die Wahrheit suchen? Zu verstehen, wo man sie nicht suchen sollte, ist der erste und richtungsgebende Schritt auf dieser Reise. Und wer kann uns das sagen? Die Geschichte lehrt es und die Erfahrung soll uns daran hindern, in das selbe Loch zweimal hineinzufallen. Vor allem die Ereignisse des 11. September 2001 haben die Mainstream-Medien enttarnt, indem sie dem Wolf sein Schafspelz entrissen haben – für den, der es sehen wollte. Ohne die Gleichschaltung von Funk und Presse, wäre die Bereitschaft der Völker in neue Kriege zu ziehen nie gegeben. Es handelte sich um den vielleicht vermeintlich größten Terroranschlag unserer Geschichte, und wie verhielten sich die Medien? Recherche? Fehlanzeige. Hinterfragung? Fehlanzeige? Aufklärung? Fehlanzeige. Aufarbeitung nach den Lügen? Fehlanzeige. Verurteilung der Lügner und ihrer Schergen? Fehlanzeige. Im Hinblick auf die Größe dieses Ereignisses und insbesondere ihrer Folgenschwere, ist dieses Verhalten umso skandalöser. Um den schweizer Historiker Dr. Ganser bezüglich der auffälligen Zurückhaltung der Medien zu zitieren: Heutzutage wird jedes Tor in einem Fußballspiel ausgiebig kommentiert, akribisch analysiert und aus verschiedensten Perspektiven immer wieder gezeigt. Vergleichen sie das nun mit dem 11. September, dem größten Terroranschlag unserer jüngsten Geschichte. Dies war aber nicht der einzige Krieg, den die USA seit dem Ende des 2. Weltkrieges unter falschem Vorwand geführt hat, angefangen von Vietnam bis zum Irak oder sollen wir sagen Ukraine? Und nur die Geschichte hat uns gezeigt, dass jeder einzelne Konflikt auf Grund von falschen Tatsachen in Form von False Flag Operations begonnen wurden. Und wieder waren es nicht die Medien, die versucht haben, den Tod Unschuldiger zu verhindern, vielmehr haben sie grenz übergreifend stets den Weg für Amerikas Kriegsmaschinerie vasallengetreu geebnet.

Und wieder einmal befindet sich die Welt am Rande eines Krieges, der aber diesmal weitaus verheerender sein könnte als alles zuvor gesehene. Und wieder sind es die Medien, die den Mächtigen in die Bresche springen und polarisieren indem sie die Welt unter gut und böse neu aufteilen. Die fehlende Sympathie gegenüber bestimmten Ideologien, Religionen, Gruppierungen, Sekten oder gar Nationen sollte uns nicht davon abhalten, mit all unseren Mitteln und Möglichkeiten nach der Wahrheit zu suchen, um stets gerecht im Urteil zu bleiben, wobei die Verhältnismäßigkeit einer Tat immer auch eine tragende Rolle spielen muss. Es scheint jedoch, als würden wir doch wieder in das selbe Loch fallen, indem wir unser Urteilsvermögen gegen ein paar Videos, die uns immer wieder gezeigt werden, eingetauscht haben und das Infragestellen schlicht und ergreifend für einen großen Teil der Gesellschaft keine Rolle mehr spielt. Das Vorhandensein jener Beeinflussungsmechanismen, die rückblickend seit jeher ein beliebtes Mittel der Mächtigen war, ist nicht das, was mich persönlich erschauern lässt, sondern vielmehr unsere Apathie und Gleichgültigkeit gegenüber den wirklich wichtigen Dingen, die um uns herum geschehen und den Entscheidungen, die über unseren Köpfen hinweg beschlossen werden. Es scheint, als wären wir politisch abgestumpft. Es ist nicht lange her, als meine Generation in den neunziger Jahren gegen den ersten Golfkrieg auf die Strasse gegangen ist und gegen einen Krieg für Öl protestiert hat. Abgesehen davon, dass jene Demonstrationen die USA nicht davon abgehalten hat, den Irak anzugreifen, war doch ein großer Teil der Bevölkerung über die Vorgehensweise der Amerikaner bestürzt und der eine oder andere hatte zumindest eine Ahnung, worum es in diesem Konflikt wirklich ging. Ab diesem Zeitpunkt wurden die Stimmen des Protests immer leiser und auch in ihrer Anzahl stetig weniger. Inzwischen wissen wir schon gar nicht mehr, wo der Westen überall einmarschiert ist und vor allen Dingen nicht wirklich warum. Erstaunlicherweise geschieht all das nicht im Verborgenen, sondern spielt sich vor unseren Augen ab und wir lassen es gewähren und geschehen. Und auf welcher Grundlage? Ein zwei Videos von Gräueltaten an Unschuldigen reichen inzwischen aus, um Kriegsmaschinerien unter der Zustimmung des Volkes in Gang zu setzen. Ob jene Bilder jedoch authentisch sind, spielt inzwischen nicht einmal sekundär eine Rolle. Und stellt sich Jahre später heraus, dass es Fakes waren, sagen die Verantwortlichen: Upps….Und was sagen wir: Verbrecher. Sitzen die Verbrecher hinter Gittern? Nein, die sitzen auf den selben Stühlen der Macht nur mit anderen Gesichtern. Macht uns das misstrauisch? Möge sich jeder selbst diese Frage beantworten.

Jetzt begreifen wir, was Freund und Feind im Kampf gegen Terror vor knapp 1000 Jahren vereint hat und ganz Europa in Wallung brachte. Es war vor allen Dingen ein Mann und eine Rede, die in die Herzen der Menschen die zuvor nicht dagewesen Bereitschaft entfesselte, die Waffen gegen einen bestimmten Feind zu richten. Papst Urban II. konnte nicht auf Youtube Filmchen zurückgreifen, sondern musste noch persönlich von den Barbaren im fernen Osten berichten, die die heiligen Stätten entweihten und Christen schlachteten. Was danach folgte, ist nun jedem bekannt mit dem Fazit, dass allein auf Grund von Lügen eines der größten Kriege in der Geschichte der Menschheit entfacht wurde. Und dies konnte nur geschehen, indem man das Volk glauben ließ, nicht gegen Menschen sondern Barbaren, Monster oder nennen wir es heute Terroristen zu kämpfen.

Auch heute blicken wir in den Osten und sehen den Feind, der keine Chance auf Anhörung verdient. Es gilt, das Übel zu bekämpfen und auszumerzen, denn wir töten nicht Menschen sondern Terroristen, die uns am liebsten essen würden, wenn sie nur Gelegenheit dazu hätten. Ich bin nicht naiv zu glauben, dass Unrecht nicht innerhalb jeder Religion, Ideologie, Klasse oder Rasse geschehen kann, nichtsdestotrotz muss die Wahrheit oberste Priorität sein und Gerechtigkeit die Oberhand über Interessen haben.  Mir ist auch bewusst, dass gerade in unserer Zeit der Einzelne ohne das mächtigste Werkzeug Medium an seiner Seite nicht viel ausrichten kann, jedes Individuum hat jedoch im mindesten Fall eine moralische Verantwortung seinem Gewissen gegenüber und seiner Welt um ihn herum.

Heute klassifizieren wir die Menschen des Dritten Reichs nicht nach ihrer Bildung und ihrem Wohlstand, den sie zu jener Zeit genossen, sondern auf Grund ihrer Taten und Einstellung gegenüber jenem mörderischem Regime. Auch wir werden eines Tages nach unserer Haltung und den Taten gefragt, so sollte sich niemand die Gelegenheit hier und jetzt entgehen lassen, sich an die richtige Seite zu stellen, bevor es wieder zu spät ist und die Frage in den Raum gestellt wird: Wie konnte das passieren?


13 Jahre Krieg für Demokratie

imagesDie USA und ihre Alliierten wollten den Krieg. Das hat inzwischen auch der letzte Zweifler anerkennen müssen, angesichts der Tatsache, dass alle Vorwände, die in der Zeit nach dem 11. September vorgebracht wurden, um die allgemeine Mobilmachung zu rechtfertigen entweder erlogen oder bis heute nicht belegt wurden, zumal sie die Chance hatten, ihren handgemachten Dämon der Welt zu zeigen. Stattdessen haben sie ihn hingerichtet, den vermeintlich größten Terroristen unserer Zeit freundlicherweise islamisch bestattet und auf nimmer Wiederfinden ins Meer versenkt – angeblich.

Der Bürger hat es geschluckt und ließ ihre Führer schalten und walten und überließ ihnen seine Söhne und sein Vermögen ohne zu murren für einen Krieg, den er selber nie wollte. Doch von allen Seiten wurde auf ihn eingeredet und immer wieder mit den gleichen schrecklichen  Bildern konditioniert, auf dass er ihn nun doch wolle. Und jede involvierte Regierung erklärte seinem Bürger im Besonderen noch einmal, warum er ihn zu wollen habe, wie am Beispiel des Deutschen, dessen Nation am Hindukusch verteidigt werde. Als der damalige Verteidigungsminister Peter Struck diesen berühmten Satz zu jener Zeit von sich gab, musste er sich vermutlich sehr zusammennehmen, um seinen Gesichtszügen einen seriösen Ausdruck zu verleihen. Bis jetzt ist dieses Zitat eine Lachgarantie und Schenkelklopfer jeden politischen Kabaretts. Das Tragische ist nur, dass die Menschen in Afghanistan und Irak das nicht lustig finden. Denn diese Idiotie hat ihr Leben gänzlich auf den Kopf gestellt, was der Deutsche als den notwendigen Preis für die eigene Freiheit anzusehen hat, da sie ja dort am Hindukusch verteidigt wird. Das bezweifeln jedoch inzwischen nicht nur die Denkenden unter uns.

Die Amerikaner handeln Hollywood gemäß immer etwas theatralischer als ihre Brüdernationen, denn sie schrieben sich auf ihre Fahne, die Bewahrer und Hüter der Demokratie und Menschenrechte zu sein mit der Vorgabe, jedem despotisch regiertem Land den Weg zur Demokratie freizubomben. Wenn sie es wenigstens ernst meinen würden, könnte man sie „lediglich“ wegen der falsch gewählten Mitteln tadeln, wenn überhaupt, da der Zweck ja bekanntlich das Mittel heiligt. Es hat sich jedoch im Laufe der immerhin schon 13 Jahre des Krieges gegen den Terror erwiesen, dass sich mehr als Nächstenliebe hinter den militärischen Umtrieben des Westens verbarg, was nicht allein den ehemaligen Bundespräsidenten Köhler seinerzeit sein Amt kostete, indem er vom Krieg für wirtschaftliche Interessen sprach, sondern auch einige andere, die unbewusst die Wahrheit herausplapperten oder sich für sie bewusst entschieden.

Dass es nicht um Demokratie geht, wissen wir nicht erst seit dem jüngsten Militärputsch in Ägypten, die eine demokratisch gewählte Regierung über Nacht entthronte, um sie dann sogar später offiziell als terroristische Gruppierung einzustufen und all ihre Anhänger legitim hinter Gittern zu bringen. Nicht nur dass die USA nichts gegen die Übernahme einer neuen Diktatur unternommen noch lautstark und vehement, wie sie es sonst tut, protestiert hat, sie unterstützen das Militär weiterhin mit immensen Geldern von über 100 Millionen Dollar im Jahr, die sie ihm übrigens auch zu Mubaraks Zeiten haben zukommen lassen.

Wenn dem Westen die Demokratisierung der islamischen Länder so am Herzen liegt, dann hätte er auch nicht unbeteiligt zugesehen, als zu Beginn der neunziger Jahre, mehr als 100.000 Menschen in Algerien einem Bürgerkrieg zum Opfer fielen, nach dem auch hier eine Regierung friedlich und demokratisch an die Macht kam, um sie dann wieder durch einen Staatsstreich zu beseitigen. Der Westen hat keine Anstalten gemacht der Demokratie willen in irgendeiner Form zu intervenieren noch haben sie die Welt angemessen darüber informiert, welches Unrecht dort wirklich geschieht. In diesen Jahren befand ich mich in der Oberstufe und auf der letzten Etappe zum Abitur und ich muss leider feststellen, dass ich über diesen Krieg in der Schule nie etwas gehört habe, der offensichtlich hochaktuell war. Das ist schon eine höchst bedenkliche Bildungsbilanz für angehende Akademiker und führende Mitglieder einer Gesellschaft.

Ein anderes Beispiel in der jüngeren Geschichte für das „demokratische“ Wohlwollen ist Palästina bzw. der Gazastreifen, in dem die Hamas 2006 mit überwältigender Mehrheit an die Regierung demokratisch gewählt wurde und bis heute regiert, um ihr dann später seitens führender Westmächte ihre Legitimation, Vertreter des Volkes zu sein, abzusprechen und juristisch zu entziehen, mit der Begründung eine terroristische Organisation zu sein und dem Vermerk, dass Volk hätte falsch entschieden. Mit anderen Worten, man hat dem palästinensischem Volk ihre Mündigkeit und die Fähigkeit zur Selbstbestimmung abgesprochen. Ein netter Versuch, aber offensichtlich immer noch nicht demokratisch genug.

Trotz allem bleibt Afghanistan das beste Beispiel für die Doppelmoral der USA und seiner Verbündeten und die Verfehlung ihrer zuvor gesetzten Ziele. Die Frau, die sie vom Joch des Schleiers befreien wollten, läuft immer noch verhüllt die Strassen Kabuls entlang und die Stimmen für ihre Befreiung sind am ersten Tag der Regierung Karzais verstummt. Laut UN-Angaben hat der Mohnanbau im Jahr 2013 einen Rekordstand erreicht, zumal seine Bekämpfung zu den Prioritäten des militärischen Einsatzes zählten. Verschwiegen wird aber neben diesen Zahlen stets, dass der Mohnanbau unter den Taliban konstant rückläufig und nie geringer war. Das primäre Ziel dem Terror ein Ende zu setzen, ist mit dem Angriff auf ein friedliches Land ebenfalls gänzlich gescheitert mit der Erkenntnis, dass eine Ideologie geographisch gesehen nicht begrenzt ist. Mit der Zerstörung eines islamischen Landes hat der Westen den Zorn der Muslime nur noch mehr befeuert und dazu beigetragen, dass Al-Qaida zur Ideologie wurde, was sie vorher nicht war und somit weltweit nur noch mehr Individuen für den Kampf gegen den Westen entfesselt hat, zumal das antiwestliche Gedankengut des Ostens im Allgemeinem durch den Krieg erst richtig genährt wurde. Was die Taliban betrifft, so wurden sie in keiner Weise geschwächt und sind so mächtig, dass die westlichen Alliierten zu Friedensverhandlungen bereit sind, die sie zuvor stets mit der Begründung, nicht mit Terroristen verhandeln zu können, abgelehnt wurden. Des weiteren ist festzustellen, dass Hamid Karzai nur ein Despot in der Reihen von Despoten ist, der nie demokratisch vom Volk gewählt wurde und scheinbar ein Regent auf Lebenszeit ist.

Ich frage mich nicht ob, sondern ich weiß, dass Demokratie das Letzte ist, was die Amerikaner für Afghanistan wollen, denn auch dort besteht die Gefahr, dass sich das Volk aus ihrer „Dummheit“ heraus für die Falschen entscheidet, zumal dort ein Militärputsch wie in Algerien oder Ägypten nicht zu erwarten wäre und sich jemand anders die Finger schmutzig machen müsste.

Er stellt sich nun zwangsläufig die Frage: wem hat das alles nun genützt, wenn nicht ein einziges Ziel erreicht wurde? Die Frage ist jedoch, was war das eigentliche Ziel, es sei denn man spricht der führenden Weltmacht unserer Zeit mit all ihren Möglichkeiten die Fähigkeit und Intelligenz ab, militärische und politische Entwicklungen zu beurteilen und mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit vorauszuschauen. Tatsache ist, dass es eine Welt vor und nach dem 11. September 2001 gab bzw. gibt, und die Rechte der Bürger im Allgemeinem werden auf Kosten der Sicherheit gegen terroristische Anschläge in der neuen Welt immer mehr eingeschränkt und die Privatsphäre des Einzelnen wird Schicht um Schicht abgetragen. Und wir haben einen Punkt erreicht, an dem wir nicht mal mehr in unseren Häusern vor Ausspähung sicher sind. Und wer glaubt, dass die jüngsten Enthüllungen über die NSA diese Lawine der absoluten Kontrolle aufhalten werde, wird leider enttäuscht werden, denn das Projekt gläserner Bürger war zur keiner Zeit wirklich gefährdet, trotz der Skandale, die aber letztlich für den Ahnenden nichts Neues oder Überraschendes hervorbrachten. Die Weiterentwicklung der Technologie wird nicht stoppen und diejenigen, die sie für ihre Zwecke nutzen, werden auch nicht über Nacht geläutert. Gutmenschen in der Politik sind schon lange nur die Ausnahme.

Die entscheidende Veränderung im neuen Zeitalter ist meiner Meinung nach jedoch, dass der Bürger der westlichen Welt, sich seine Demokratie und Selbstbestimmung hat aus der Hand nehmen lassen, falls er sie überhaupt je in der Realität besaß. Denn letztlich ist die Welt geworden, wie der Mensch sie nicht haben wollte und welche Möglichkeiten hatte er schon, das zu verhindern? Etwa indem er die Wahl zwischen zwei oder drei Übeln hatte, die am Ende des Tages auch nur das taten, was in ihrem eigenen Interesse lag und nicht in dem des Wählers? Wir können heute nur noch von unten zuschauen, was die da oben machen, wie sie unser Vertrauen missbrauchen und unsere Gelder verschwenden, die sie zuvor gnadenlos aus uns herausgepresst haben. Das einzige, was dem Bürger von der Demokratie noch geblieben ist, mag die Redefreiheit sein, die aber letztlich nur eine Narrenfreiheit ist, die für die da oben wie einst den Königen einzig und allein zur Unterhaltung und Belustigung diente, aber nie die Kraft hatte, den Thron ins wanken zu bringen. Aber den einfachen Bürger im Glauben lässt, allein durch Protest und Mitsprache seinen Willen auf die Elite übertragen zu können, was in kleinen unbedeutenden Angelegenheiten der Fall sein mag, aber bei den großen richtungsweisenden Entscheidungen, muss er leider draußen bleiben.

Es bleibt also festzuhalten, dass der Krieg gegen den Terror die Entrechtung und Entmündigung des Bürgers im Westen zur Folge hatte, der jedes neue Gesetz und jeden außenpolitischen Schritt rechtfertigte. Und nichts vermochte die Welt von einem Moment zum anderen so zu verändern, wie es die Bilder von den Flugzeugeinschlägen in New York taten. Derartige Szenen kannte man nur aus Hollywood.

Was die Menschen im sogenannten Osten anbelangt und im Besonderen die muslimische Bevölkerung, so kann man sagen, dass der Kampf gegen den Terror außer Chaos und Anarchie nichts hinterlassen hat. Wo es gestern hier und da Brandherde gab, ist der gesamte nahe Osten zu einem explodierendem Pulverfass geworden bei dem die Opfer auf Grund der Alltäglichkeit kaum noch die Rede wert sind und der vermeintliche Arabische Frühling in meinen Augen nur ein Vorbote inter- und innerreligiösen Auseinandersetzungen ist.

Das Märchen vom „Balance of Power“ wurde ebenfalls spätestens mit dem 11. September begraben und dem Menschen wird immer deutlicher, dass die Globalisierung nichts anderes ist, als die Zentralisierung der Macht, die wir jeden Tag aufs Neue in irgendeiner Weise zu spüren bekommen.


Bewußtsein versus Gewohnheit

Bewusstsein-295x300Der Mensch ist ein Gewohnheitstier, sagt man. Das, was ihn neben dem Verstand über das Tier erhebt, ist sein Bewußtsein. Und das Bewußtsein wirkt der Gewohnheit entgegen. Beide kommen niemals zusammen, sowenig wie man sich dem Osten nähert wenn man dem Westen entegegenläuft. Entweder handele ich mit vollem Bewußtsein oder aber ich tue es aus Gewohnheit, ohne wirklich vorher darüber nachgedacht zu haben oder während meiner Handlung dieselbe nicht mit dem Verstand zu begleiten. Es wurden lediglich die entsprechenden Nervenpulse gesetzt, um bestimmte Bewegungen in Gang zu setzen. Dieses Phänomen beschränkt sich nicht nur auf die Physis des Menschen, sondern auch auf seine Sprache und absurderweise auch seine Gedanken, zumal sie eigentlich das Werkzeug sein sollten, mit der man Gewohnheiten in Frage stellt, was aber später noch näher betrachtet wird.

Grundsätzlich müssen Gewohnheiten nichts tadelnswertes sein, mit der Voraussetzung immer zu wissen, warum man etwas tut, sagt oder denkt. Vor dem Frühstück ein Glas warmes Wasser zu trinken, kann eine Gewohnheit sein. Der eine jedoch tut es, weil es seine Eltern nie anders getan haben, der andere dagegen hat sich bewußt dafür entschieden,  weil er  auf Grund von Wissen von den Vorzügen dieser Handlung überzeugt ist, selbst wenn es am Ende doch nur eine  These sein mag und auch seine Eltern diese Gewohnheiten hatten. Die Handlung ist die selbe und in ihr nichts Verwerfliches zu finden, doch die Beweggründe und Intentionen sind verschieden. Verwerflich und oftmals dumm ist es etwas zu tun, nur weil es andere getan haben, selbst wenn es die eigenen Väter taten und zur Gewohnheit hatten. Verwerflich deshalb, weil er seinen eigenen Verstand gänzlich vernachlässigt hat, was in anderen Fällen dazu führen kann, dass auch die Tat selber verwerflich und schlecht oder schädlich ist.

Die Folgen und Auswirkungen der Gewohnheitstaten und -gedanken können unbedeutend bis schwerwiegend für das Indivuduum aber vor allem für die Gesellschaft und über Nationen hinaus ausfallen, je nach Art und Schwere der Tat oder Überzeugung. Der Kampf gegen andere Nationen, Religionen, Rassen, Klassen und Minderheiten, waren in der Menschheit nicht selten die Folge von Unwissenheit und Intoleranz, die sich oftmals von Generation zu Generation übertragen hat, ohne das der einzelne überhaupt wußte, warum er seinen Gegenüber aus tiefstem Herzen hasst oder fürchtet. Aus der jüngsten Geschichte sind es die Genozide in Ruwanda und Bosnien, die uns das deutlich vor Augen führen, in denen der Nachbar den Nachbarn erschlug. Und bei der Frage „Warum“ bleiben die Täter stumm, weil sie es schlicht und ergreifend selber nicht verstehen. In der Gegenwart ist der Kampf gegen den Terror eine Floskel, die schon gewohnheitsmäßig abgespult wird und inzwischen jede erdenkliche Tat, selbst die Folter, rechtfertigt, von der wir dachten, das sie ein dunkles Kapitel unserer Geschichte sei. Auch nicht wirklich hat in Deutschland irgendjemand geglaubt, dass sein Land am Hindukusch verteidigt wird, was er beim ersten Mal verstanden aber wogegen er nicht protestiert hat, um es später dann immer wieder akustisch aufzunehmen, doch weiter als zum Gehör gelangt es nicht mehr.

Der Mensch wandelt in seinem Alltag ständig zwischen diesen zwei Komponenten: Gewohnheit und Bewußtsein. Im Grunde genommen läuft er immer Gefahr in Gewohnheiten zu verfallen, da der Verstand kein Automatismus ist, sondern ein „Gerät“, das eingeschaltet werden möchte. Allein Gedanken zu haben, heisst noch lange nicht, dass der Verstand zugegen ist. Die Gedanken kommen oft von selbst ohne besonderes Zutun, meistens durch äußere Reize gesetzt. Man kann also durchaus ein Denker sein ohne Verstand, indem man nur das denkt, was alle anderen denken oder jemand anderes vorgedacht hat, ohne es mit eigenem „Werkzeug“ bearbeitet zu haben. Dagegen könnte man argumentieren, dass Wissen eine Ansammlung von Informationen ist. Ja, aber Wissen ist nicht gleichzusetzten mit Verstehen. Und der Verstand steht nahe der Weisheit und wieviele Wissende sind jedoch von der Weisheit weit entfernt.

Trotz des massiven Angebots an Informationen, mit dem der Mensch in der heutigen realen und virtuellen Welt täglich konfrontiert wird, kann man nicht behaupten, dass die Söhne und Töchter Adams, weiser und klüger geworden sind. Eine und meine These ist, dass sie gerade wegen diesem Überangebot an vermeintlichem Wissen geistig stagnieren, da sie kaum noch Zeit und Kraft und oftmals den Mangel an Bereitschaft haben , Informationen zu verarbeiten und im Allgemeinen die intelektuelle Fähigkeit vermissen lassen, das Richtige vom Falschen zu trennen.

Damit also der Mensch weiterhin für sich den Anspruch erhebt, sich im wesentlichen vom Tier unterscheiden zu möchten, und sein Leben nicht mehr nur nach Trieben und Gelüsten auszurichten, ist er gefordert seinen Verstand zu benutzen und in jeder Hinsicht bewußt zu leben. Unser Alltag sollte mehr beinhalten als Essen, Trinken, Schlafen und neuerdings Spielen. Das Bewußtsein erfüllt nicht nur den Zweck der Unterscheidung zwischen Mensch und Tier, sondern dient auch zur Selbstreflektion und als Schutz vor jenen Taten und Worten, die einem selber aber auch anderen Schaden könnten. Wenn man aufgibt Dinge zu hinterfragen und nach der Wahrheit zu streben, läuft man Gefahr einem Schafe gleich geführt zu werden, statt der Hirte über seiner selbst zu sein.

Bei dem Wort Wahrheit zucken schon einige zusammen und positionieren sich zum Angriff: Wer vermag schon für sich den Anpruch zu erheben, die Wahrheit zu kennen? Für sie hat jede Münze zwei Seiten und alles ein Pro und ein Contra, aber nur so lange geschossen wird. Um eigene Ansichte und Ideolgien zu verteidigen, werden die Münzen weggesteckt und die Rute des Lehrers herausgeholt. Oder gibt es etwa neuerdings in Darwins Thesen zwei Meinungen? Eine Alternative zur Demokratie? Es gleicht schon an Ketzerei, solche Themen und Begriffe überhaupt zur Diskussion zu stellen.

Die Wahrheit ist oftmals leichter zu finden, als einem das durch die gesamte Schullaufbahn und darüber hinaus immer wieder suggeriert wurde. Sie ist nicht allein Angelegengheit des Philosophen, Denkers oder Intelektuellen, sondern muss die jedes Individuums sein. Und was hilft uns auf dem Weg der Wahrheihtsfindung: das Bewußtsein gekoppelt mit dem Verstand.

Es gibt natürlich unzählige Facetten in unserem Leben und Alltag, die Fragen aufwerfen und hinterfragt werdem möchten, das was mich jedoch am meisten bewegt und mit Sicherheit viele andere ebenso, ist nicht das Leben, sondern das was es umschließt: das Vor und Danach. Die Wahrheit ist, dass das Leben des Einzelnen zeitlich gesehen letztlich nur ein winziger Punkt auf dem Erdkoordinaten ist und die Erde selbst ebenso nur ein Augenblick im unendlichen Universum darstellt. Es zeugt von Kleingeistigkeit diese Tatsache auszublenden und seine Gedanken nur nach dem Jetzt und Hier auszurichten. Jeder Mensch, egal welcher Rasse und Klasse, weiss und wusste, dass seine Frist auf diesem Planeten begrenzt ist. Und die Wahrheit ist auch, dass sie letztlich auch nur ein Augenblick ist, was jeder bestätigen wird, der einen Teil bereits zurückgelegt hat, geschweige denn die in den Gräbern, wenn man sie nur fragen könnte.

Der Mensch, der sich geistig stets zwischen den Wänden des Alltags bewegt, vermag auch nicht die Weite jenseits des eigenen Daches zu sehen. Der Körper ist tatsächlich auf die physkalischen Gesetze der Erde begrenzt und nährt sich ausschließlich aus der materiellen Welt, die jedoch zur selben Zeit Gift und die Verkümmerung für die Seele ist. Sie ist nicht an Geld und Wohlstand interessiert, noch an weltlichen Genüssen, ihr höchstes Trachten ist der Seelenfrieden. Deswegen ist es nicht verwunderlich, dass viele Menschen nach Antworten oder einfach nach geistiger Ruhe suchen, indem sie sich mit vershiedenen Glaubensrichtungen und Religionen beschäftigen, weil sie in der rein materiellen Welt wirkliche Zufriedenheit und Erfüllung trotz Sättigung nicht gefunden haben.  Demnach könnte man sagen, die Essenz unserer Existenz liegt im Glauben. Sebst derjenige, der behauptet, keinen Glauben zu haben, ist sein Glaube doch, zu behaupten, dass es keinen tieferen Sinn für sein Leben und keine höhere Macht gibt. Somit ist diese seine Einstellung, der Leitfaden und Sinngäber bzw. Essenz seiner Existenz.

Damit der Mensch den Bezug zu dieser großen Realität nicht verliert, braucht es an Bewußtsein, womit wir wieder zum Anfang des Gedankens zurückkehren. Denn wie schon erwähnt: wenn der Mensch nicht bewußt lebt, wird sein Leben eine Gewohnheit, das so enden wird, wie es gelebt wurde. Einfach wie eine Blume verendet mit dem einzig erfüllten Sinn, nur da gewesen zu sein. Nicht mehr und nicht weniger.

Man stelle sich folgendes Szenario vor: der Mensch kommt nicht durch Geburt als Säugling auf diese Welt, sondern ist plötzlich als Erwachsener von einem Moment auf den anderen existent mit dem Wissen, dass er auch nur einen Monat auf der Erde verweilen wird. Jedem wird klar, dass Arbeiten und Geld verdienen, nicht das erste ist, was er tun wird. Und er wird Hunger verspüren und nach Essen suchen, doch seine Gedanken werden immer nur um die selben Fragen kreisen: Woher? Warum? Wohin? Und das, weil er das Bewußtsein bzw. die Gewissheit hat, dass er nur nach wenigen Tagen in dieser Form nicht mehr existiert. Der Unterschied zwischen jenem Zustand und unserem läßt sich eventuell nur an der Lebensdauer festmachen, zumal keiner von uns eine Garantie auf siebzig Jahre hat. Es scheint jedoch, dass wir diesbezüglich mehr Gewissheit haben, als das wir jeder Zeit, hinter jeder Ecke sterben können. Und weil aber der Mensch zur Gewohnheit neigt, vergisst er und lebt in Unbekümmertheit, bis ihn der erste Schicksalsschlag trifft und ihn für einen Moment aufweckt und aufrüttelt, um dann doch wieder in die Agonie zurückzuverfallen, aber nur so oft bis es ein Zurück nicht mehr gibt. Die sich immer wiederholende Routine und die alltäglichen Mühen sind es, die ihn vergessen lassen, an welchem unglaublichen Ort er sich eigentlich befindet und welche surreale Reise ihm in Kürze bevorsteht.

Bemerkenswerterweise heisst „Mensch“ in der arabischen Sprache „insan“, was von der Wortwurzel „nasia“ stammt und die Beduetung von Vergessen trägt. Das heisst, eine herausragende Eigenschaft des Menschen ist die Fähigkeit zu vergessen.Der Mensch ist also gefordert gegen das Vergessen anzukämpfen um bewußt zu leben und seine Gedanken zu Ende zu denken. Dieser Artikel hat nicht das Ziel, Gottes Existenz zu beweisen, an den ich fest glaube, sondern den Leser zu bemühen, falls er ist nicht schon getan hat, den Schleier von seinen Gedanken und Sinnen zu entfernen, und die unumstößliche Wahrheit seiner Existenz zu erkennen. Vor allem in diesen Fragen gibt es keine Grauzonen und auch kein Jein, an die wir uns auch schon zu sehr gewöhnt haben. Wir alle werden sterben, und die Erde unter unseren Füßen ist das unabwendare Ziel auf das wir ohne Verzögerung entegegensteuern. Und spätestens dann, wird jede Seele erfahren, ob er sein Leben vergeudet und es für die Dinge investiert hat, die ihm nicht in sein  Grab gefolgt sind, oder ob er das vorgefunden hat, woran er fest geglaubt und danach gelebt hat.

In diesem Sinne sollte sich der Mensch bewußt für eine Seite entscheiden und möglichst für die Richtige, zumal ihm eine bestimmte Frist gegeben wurde, um zu suchen und Antworten zu finden. Derjenige, der mit reinem Herzen und ohne Hochmut nach der Wahrheit strebt, der wird nicht irregehen und vorfinden, wonach er gesucht hat. Und nur wer sich selber erkennt, wird fähig sein, die Welt um sich herum zu verstehen und seinen Taten und Worten das richtige Maß zu verleihen. Derjenige jedoch, der weiterhin aus Gewohnheit behauptet etwas zu sein, was er tatsächlich nicht ist, gleicht dem Ohnmächtigen, der erst in der Stunde des Todes seine Augen öffnet und beginnt zu verstehen.


Der Jihad – mißverstanden und verleumdet

Kein Prophet wurde auf diese Welt gesandt, um Menschen zu töten, Kriege zu entfesseln oder Andersdenkende zu terrorisieren. Sie wurden geschickt, um uns mit der Botschaft von Gottes Barmherzigkeit und Gnade zu erfreuen, aber auch uns an unsere Verpflichtungen und Rechte gegenüber unserem Schöpfer zu erinnern.  Nur beim Gedenken an unseren gemeinsamen Urvater Abraham, Gottes Segen auf ihn, denken wir – und zwar alle, Muslime, Christen, Juden, selbst Atheisten –  an Frieden, Weisheit und Besonnenheit. Die selbe innere Stimmung verspürt jeder Muslim, wenn der letzte Prophet Muhammed, Friede und Segen auf ihm, nur erwähnt wird, selbst dann, wenn er kein großer Kenner seiner Biographie sein mag. Doch das heutige Bild vom Islam und seines Gesandten in der Öffentlichkeit bewegt sich immer weiter in die entgegengesetzte Richtung von dem, was wir als Muslime von unserer Religion wissen und empfinden. Es ist schon sehr eigenartig aber auch zunehmend anstrengend, seinen Glauben immerfort gegen etwas verteidigen zu müssen, was er in keiner Weise beinhaltet. Vielmehr lehrt uns der Islam durch seinen Propheten, dass Mord, Terror und Extremismus vom mittleren Weg abweichen und keinen Platz unter Gottes Himmel haben. Wir würden gerne über viele verschiedene Bereiche unseres Glaubens sprechen, aber es scheint, als sei kaum noch Platz für andere Themen außer Krieg und Terror. Wir werden gefragt, also antworten wir. Nicht mit gesenktem Kopf, sondern mit Erhobenem, denn wir haben weder etwas zu verbergen, noch gibt es etwas in unserer Religion, dessen wir uns schämen müssten.

Der Islam bietet Richtlinien für alle Lebensbereiche und- formen, sowohl auf induvidueller als auch gesellschaftlicher Ebene. So wie sich  westliche Staaten auf christlichen Fundamente und Traditionen auch hinsichtlich ihrer Verfassungen und Grundgesetze beruhen dürfen, sollte man auch den islamischen Ländern dieses Recht zugestehen. Und so wie Deutschland sich nicht seiner Armee schämen muss, genauso wenig muss sich auch ein muslimischer Staat nicht seiner Soldaten schämen. Und jede Armee dieser Welt, wurde im mindesten Fall aufgestellt, um im Falle der Verteidigung eingesetzt zu werden. Ihre Soldaten wurden dazu ausgebildet, zu töten aber ebenso darauf vorbereitet getötet zu werden, und diese Tatsache kann niemand verleugnen. Er kann sie höchstens blumiger darstellen. Und der Vorgang des Kampfes wird aus der Sicht des Islam unter anderem auch als Jihad bezeichnet, was wörtlich übersetzt ungefähr Anstrengung oder Bemühung bedeutet, wobei dieser Ausdruck auch in anderen Bereichen der Religion vorzufinden ist. Wirft man den Muslimen vor, den Kampf und die Armee zu glorifizieren, so finden wir das in jeglicher anderen Kultur nicht anders vor. Wie oft sind Helden in Spielfilmen, oder in Sagen und Märchen, oder gar Kinderbüchern Soldaten oder Kämpfer für Freiheit und Gerechtigkeit. Es gibt kaum eine geschichtsträchtige Stadt, die nicht ein Kriegsmonument oder eine Statue eines unbekannten Soldaten oder des Kaisers in seiner Ausrüstung auf ihrem Rücken trägt. Und niemand beschwert sich oder bezeichnet es als martialisch, wenn bei Staatsbesuchen und selbst beim Papstempfang die Leibgarde Spalier steht. Im Gegenteil, es ist mitunter der Stolz einer Nation. An dieser Stelle sei auch erwähnt, was viele unter uns möglicherweise nicht wissen, dass vor dem Königspalast in Brüssel, der vermeintlichen Hauptstadt Europas, die Statue eines Mannes steht, der in einem der dunkelsten Kapitel (wiederum) Europas, den Kreuzzügen, eine tragende Rolle gespielt hat. Er galt als der erste König Jerusalems, nachdem seine Armee Ende des 11. Jahrhunderts die Stadt eroberte und deren Strassen in Flüsse aus Blut umwandelte: Gottfried von Bouillon. Muslimische Nationen hätten jedes Recht, dies als eine Provokation zu emfinden und sich darüber zu empören, wie die Christlichen es mit Sicherheit tun würden, wenn Muslime auf diese Weise einen Mann würdigen und huldigen würden, der verantwortlich für den Tod eines einzigen unschuldigen Menschen wäre, geschweige den von Tausenden, unter ihnen Frauen und Kinder. Aber die Muslime empören sich nicht, sie sind nur jene, über die man sich empört. Aber das nur am Rande.

Wenn also das christliche Abendland stolz auf seine Eroberer und Ritter sein und dies auch öffentlich bekunden und zeigen darf, mit welchem Recht, verweigert man das dem islamischen Morgenland. Vermutlich mit dem selben, das heute darüber entscheidet wer Atombomben bauen darf und wer nicht. Oder wer ein Soldat ist und wer ein Terrorist. Nach einem trifftigen Grund jedoch sucht man hier vergeblich. Es sind bloß die berühmten zweierlei Maßstäbe, die je nach Bedarf zur Anwendung kommen.

Doch der Westen sollte sich keine Sorgen machen, dass sein guter Wille, wenn er mal vorhanden sein sollte, vom Osten ausgenutzt wird und sein martialisches Wesen aus jeder Pore emporsteigt. Denn das Ziel des Islam ist nicht wie bereits erwähnt Krieg und Zerstörung, sondern Frieden, wie Allah es im Qur’an unmissverständlich sagt:

Und wenn sie sich dem Frieden zuneigen, dann neige auch du dich ihm zu und verlasse dich auf Allah![1]

Der Kampf selbst darf niemals das Ziel, doch kann es abhängig von der Lage durchaus ein Mittel sein, ein Übel abzuwenden. Krieg ist die Waffe in der Hand des Mörders und Tyrannen oder aber in der eines Unterdrückten und Befreiers, was ein gewaltiger Unterschied ist. Aufrüstung und militärische Einsätze werden nicht selten benutzt, um den Frieden eines Landes zu sichern oder wo anders den Frieden zu etablieren, wie es auch uns in unserer Zeit einige Supermächte versuchen zu demonstrieren, zumal hier der Schrei der Entrüstung ausbleibt. Selbst Parteien die gestern noch den Pazifismus in seiner radikalsten Form repräsentierten, sehen heute die Notwendigkeit militärischer Intervention in den Krisengebieten der Neuzeit, obwohl sie oftmals selber unmittelbar gar nicht bedroht sind. Sie führen Krieg mit der Überzeugung, ein Land von seinen Tyrannen befreien zu müssen, also schon lange keinen Verteidigungskrieg mehr. Insbesondere bei diesem Thema entscheidet die Wortwahl über Legitimität oder Illegitimität einer Gruppe oder Handlung. Was für den einen ein Befreier ist, ist für den anderen ein Besatzer. Für die einen sind es Terroristen, für die anderen Widerstandskämpfer. Es kommt immer drauf an, aus welchem Blickwinkel man eine Sache betrachtet oder auf welcher Seite man gerade steht. Das Zerbomben deutscher Städte mit unzähligen zivilen Opfern während des zweiten Weltkriegs durch die Alliierten war aus der Sicht der betroffenen Bevölkerung ein Akt des Terrors, wogegen es damals wie heute als ein legitimes und notwendiges Mittel zur Befriedung Europas galt. In diesem Fall wird ein Luftangriff, bei dem Unschuldige, darunter Frauen und Kinder, zu Tausenden getötet werden, nicht in Frage gestellt.

Die Legitimität der UN-Friedenstruppen wird ebenfalls nicht in Frage gestellt. Allein ihr Name trägt einen Widerspruch in sich, denn diese Truppen sind nicht mit Blumen sondern mit Panzern und Raketen ausgerüstet und sicherlich nicht allein zu dem Zweck, sie von einem Ort der Welt an einen anderen zu verfrachten. Ihr Ziel ist zwar, wie sie behaupten, Frieden, ihr Mittel dennoch der Krieg.

Wenn also die UN die Rolle eines Friedenstifters für sich beanspruchen darf, warum dann nicht der Islam? Etwa weil die Religion Unterwerfung vor dem Unterdrücker fordert, wie es manche Christen fälschlicherweise propagieren? Wenn dir jemand auf die Wange schlägt, dann halt ihm auch die andere hin. Würde man diese Aussage wörtlich und nicht in einem übertragendem Sinne verstehen, könnte es im Äußersten auch bedeuten: wenn jemand dein Kind tötet, dann gib ihm auch das Andere. Nein, in diesem Fall fordert und gewährt der Islam die Verteidigung der eigenen Rechte und die Rechte anderer mit angemessenen und notwendigen Mitteln, solange bis das Übel abgewehrt ist. Dabei darf das Maß der Mittel und der Handlung auf Grund islamischer Prinzipien nicht überschritten werden. Denn Allah sagt im Qur’an:

Und kämpft gegen sie wie sie gegen euch kämpfen. Und übertretet nicht.

Ein Muslim, der Allah fürchtet und weiß, dass er am Tag des Gerichts seine Taten verantworten muss, kämpft aus ideellen Gründen. Sein Glaube hat ihn gelehrt, dass der Mensch nicht erschaffen und auf diese Welt herab gesandt wurde, um anderen Geschöpfen Gottes Leid zuzufügen, sie zu verletzen oder gar zu töten. Sein primäres Ziel ist der Frieden und die Gerechtigkeit. Und warum trägt er das Schwert?, heißt es. Warum haben die Vereinigten Staaten Atomwaffen? Warum haben die UN-Schutztruppen Panzer und Raketen? Die Mächtigen und Verbündeten heute sehen sich als Bewahrer des weltweiten Friedens, obwohl sie im Besitz von Massenvernichtungswaffen sind. Trotzdem unterstellt ihnen niemand böswillige Absichten, noch wird ihnen vorgeworfen, sie zu besitzen. Vielmehr sehen die meisten Menschen in ihnen eine Notwendigkeit, um andere Staaten  allein durch die Existenz dieser Waffen als Abschreckungsmaßnahme vor militärischen Handlungen abzuhalten und um somit ihre eigene Sicherheit zu gewährleisten. So wie jene Staaten den Anspruch erheben mit den Atomwaffen im Rücken, Boten des Friedens zu sein, so bestehen auch wir mit dem Stein in der Hand auf dieses Recht. Das ist der Jihad. Der Muslim verteidigt sein Recht und sein Leben, und er setzt sich ein gegen jede Form von Ungerechtigkeit, egal wem sie angetan wurde. Denn wir gehören nicht zu jenen, die sich entspannt und zufrieden in ihren Häusern zurücklehnen können, während woanders Menschen in Folge von Unterdrückung keine Ruhe finden und ständigem Leid ausgesetzt sind.

Auch im Islam gilt – was übrigens mit dem oben erwähnten Bibelzitat gemeint ist  –  Verzeihen ist besser als Vergelten. Nichtsdestotrotz hat jede Handlung ihre Bedingungen bzw. ihre Zeit, und dies ist im ursprünglichen Christentum nicht anders. In der gemeinsamen Geschichte der monotheistischen Religionen, gab es auch Propheten die Armeen hinter sich hatten und auch selbst gekämpft haben, wie zum Beispiel der Prophet David, der in einer Schlacht Goliath erschlug, oder Salomon, dem Allah eine Herrschaft und Armee gegeben hat, die Er keinem Menschen zuvor gab. Also können wir nicht die Religion auf diesen einen Satz reduzieren, dafür ist diese Welt zu kompliziert.

Die Kritiker und Gegner des Islam erfreuen sich einer gewaltig vergrößerten Angriffsfläche dank eines vermeintlich neuen Phänomens: dem Terrorismus. Und dieser Begriff ist eine kluge Erfindung, um seinen eigenen Kampf zu rechtfertigen und dem des Gegenübers jedes Recht zu entziehen. Auf diese Weise wurden die Grenzen zwischen Recht und Unrecht für die Zukunft klar gezogen, ohne jemals wieder die Schuldfrage in den Raum stellen zu müssen. In diesem vorgefertigten Bild stehen auf der einen Seite Soldaten, die für Recht und Freiheit kämpfen und auf der anderen inzwischen des Öfteren Muslime, die im Kampf weder Regeln noch Skrupel kennen und allein des Tötens willen handeln, ohne einen Unterschied zwischen einem Kind und einem Soldaten zu machen. Auf diese Anschuldigungen antwortet Allah im Qur’an:

Und kämpft auf Allahs Weg gegen diejenigen, die gegen euch kämpfen, doch übertrete nicht! Allah liebt nicht die Übertreter.[2]

Allahs Gesandter  hat den Gläubigen in einem allbekannten  authentischen Hadith deutlich gemacht, was die Übertretungen während eines Krieges sind. Er hat verboten, Kinder, Frauen, Alte und Schwache und jeden Mann, der auf dem Feld arbeitet, zu töten. Also all jene, die nicht unmittelbar am Kriegsgeschehen beteiligt sind. Sogar Felder zu verbrennen und Bäume willkürlich zu fällen, ist nicht erlaubt, geschweige denn das Blut eines Unschuldigen zu vergießen. An welche Regeln hält sich dagegen die so genannte smarte tonnenschwere Bombe, die über muslimischen Boden abgeworfen wird? Ist sie schon so intelligent, dass sie erkennen kann, wer unschuldig ist?

Die Ereignisse des 11.September sollten und dürfen nicht dazu führen, Dinge nicht mehr differenzieren zu können und jedes Geschehen auf der Weltbühne durch die Brille 9/11 zu betrachten. Dafür war die Zeit vor diesem Datum zu ereignisreich, um diesen speziellen Tag über alles andere zu erheben, als wäre zum ersten Mal ein Unrecht geschehen. Übrigens wäre es nicht das erste Mal, dass ein Staat einen Anschlag verübt, es dann anderen in die Schuhe schiebt, um den Weg für die eigenen Interessen und Ziele zu ebnen. Jeder, der die Bereitschaft zeigt, generell mainstream Nachrichten zu hinterfragen, wird sehr schnell feststellen, dass die Anschläge vom 11. September viele Unstimmigkeiten aufweisen und eine Menge Fragen bis heute offen gelassen haben. Aber letztlich ist es doch irrelevant, weil keiner vermag, die Uhr zurückzudrehen und die Massen die Qualität zum Aufstand gegen Ungerechtigkeit offensichtlich schon lange verloren haben. Der einzige Widerstand in westlichen Sphären scheint der sogenannte zivile Ungehorsam auf individueller Ebene zu sein, was jedoch dem Täter am meisten schadet und dem Mächtigen am wenigsten.

Im Interesse führender Weltmächte haben es bestimmte Medien geschafft, diese Ereignisse von allen anderen dermaßen zu isolieren, so dass dieses Datum als eine neue Zeitrechnung der Weltpolitik definiert wird und immer wieder von der Zeit vor und nach dem 11. September die Rede ist. Dank dieses Datums sind die Hürden außenpolitischen und militärischen Handelns seitens der USA und seiner Verbündeten derart geschrumpft, dass selbst die Völkergemeinschaft nicht in der Lage ist, dem Tatendrang der Amerikaner entgegenzuwirken. Dinge, die vor diesem Tag noch unmöglich erschienen, werden mit dem Vorzeigen dieses Jokers im mindesten Fall geduldet. Wie etwa die Hundehaltung von Guantanamo Bay, bei der Menschen ohne Beweise und eine Chance auf Verteidigung, Tieren gleich, vor den Augen der Weltöffentlichkeit in Käfigen gehalten werden, um später manche von ihnen auf Grund fehlender Beweise nach etlichen Jahren Haft einfach frei zu lassen, ohne sich als Staat Vorwürfe bezüglich dieser Ungerechtigkeit zu machen, zumal Menschenleben teilweise zerstört wurden. Muslime werden unter Befehl der USA und den Augen der Weltöffentlichkeit in arabische Länder, die auf Grund diverser Menschenrechtsverstöße zuvor noch seitens der Amerikaner als Schurkenstaaten bezeichnet wurden, ausgeflogen, um dort ohne strafrechtliche Konsequenzen gefoltert werden zu können. Ganz zu schweigen von den dreisten und gezielten Lügen mächtigster Männer so genannter zivilisierter Staaten, die letzten Endes die Entscheidung über Krieg oder Frieden gebracht haben. Und trotz der Enttarnung dieser fabrizierten Anschuldigungen gegen ein anderes Land, sterben noch heute täglich unschuldige Menschen und werden in den Gefängnissen ihrer Besatzer erbarmungslos gefoltert.[3]

Die Muslime selbst sollten nicht den Fehler machen, sich ständig an den Ereignissen des 11. Septembers messen und bei jeder ihrer Handlung sich dieses Datum vorhalten zu lassen. Dafür hat die islamische Gemeinschaft weltweit in ihrer jüngsten Geschichte zu viele 9/11’s erlebt, um jetzt, um Verzeihung bittend, vor dem vermeintlich Gerechtem Herrscher auf die Knie zu fallen. Es ist zweifelsohne tragisch, wenn unschuldige Menschen ums Leben kommen, doch es scheint, als wäre das Blut der Muslime reines Wasser. Auf der ganzen Welt wurden für dreitausend Getötete Kerzen angezündet, wogegen man grundsätzlich nichts einwenden kann. Aber ich frage mich, wo brannte nur eine einzige Kerze für fünfhunderttausend tote Kinder, die aufgrund des Wirtschaftsembargos der UNO unter der Anweisung der Amerikaner im Irak zuvor gestorben sind. Und als die frühere amerikanische Außenministerin Madeleine Albright mit diesen Zahlen konfrontiert wurde, beschrieb sie dieses Opfer als ein „hoher Preis, der es wert (sei), bezahlt zu werden“ würde doch Saddam Hussein auf diese Weise vielleicht abtreten. Welche Schuld trägt ein Volk, das selber unter einer Diktatur zu leiden hat? Selbst wenn es schuld wäre, darf man dann plötzlich Unschuldige töten, um seine Ziele zu erreichen? Trotz einer so niederträchtigen und menschenunwürdigen Aussage, war das Amt der Außenministerin zu keiner Zeit gefährdet, noch nahm man in der Welt laute Stimmen der Entrüstung und Entsetzens wahr, außer einigen wenigen wie die, von dem bekannten Journalisten Peter Scholl-Latour:

„ Wenn das Land sich so mühselig und langsam vom Krieg erholt, dann liegt das vor allem am Embargo der Vereinten Nationen, das nunmehr sieben Jahre andauert. Das Sanktionskomitee der UNO hat unter amerikanischem Druck eine schikanöse ,Rote Liste‘ von verbotenen Gebrauchsartikeln aufgestellt, der man beim besten Willen keine strategische Bedeutung beimessen kann. Darunter befinden sich- wie eine Studie von ,Foreign Affairs‘ feststellt- Glühbirnen, Socken, Armbanduhren, Öfen, Autobatterien und Autoreifen, Nähmaschinen, Nadeln, Spiegel, Nägel Textilien, Eisschränke und vieles andere. Die Hauptleidtragenden dieser Willkür sind die Schulen und die Hospitäler. Papier und Kugelschreiber stehen nämlich ebenfalls auf der , Red List‘, und- um nur ein Beispiel des sanitären Boykotts zu erwähnen- es fehlt den Krankenhäusern an Betäubungsmitteln für Operationen, weil sämtliche Nitrate militärisch genutzt werden könnten. Laut Aussage der , Washington Post‘, die übertrieben sein mag, fordern die UN-Maßnahmen jährlich eine Million Todesopfer, darunter siebzig Prozent Kinder. Ich will hier nicht alle Absurditäten dieses Rachefeldzuges aufzählen, der natürlich die armen Schichten der Bevölkerung am härtesten trifft… ”[4]

Ein paar Jahre später, im so genannten War an Terror, starten die Amerikaner einen Befreiungskrieg, um das Volk, das sie zuvor selbst unterdrückten und massenhaft töteten, von dem Joch des Unterdrückers und seiner Diktatur zu erlösen. Es wäre nicht das erste Mal, dass die Amerikaner ihren Weg zum selbst definierten Frieden mit Leichen Unschuldiger pflastern. Waren es nicht die Amerikaner, die mit dem Vorwand Japans Vormachtstellung zu stoppen, über hunderttausend nichts ahnende Bewohner einer Stadt mit Hilfe ihres wissenschaftlichen Fortschritts, in Form der Atombombe, auf einen Streich den Garaus machten, wobei die gravierenden Folgeschäden heute noch nahezu in jeder Familie allgegenwärtig sind. Und bis heute sind sich vermeintliche Experten nicht darüber einig, ob der Abwurf gerechtfertigt war oder nicht! Die Supermächte gelten mit all ihren Raketen, Panzern, Flugzeugen als Bewahrer und Förderer des Friedens, aber ein Muslim mit einem Gewehr oder manchenorts einem bloßen Stein in der Hand, ist nichts anderes als ein Terrorist, eine Gefahr für die zivilisierte Welt. Und wie sehr erinnert mich ein gewisser Spruch an ein dunkles Kapitel deutscher Geschichte: Nicht jeder Muslim ist ein Terrorist, aber fast jeder Terrorist ist ein Muslim. Nicht jeder Jude ist schlecht, aber alles Schlechte kommt von den Juden, und der Rest der Geschichte ist nur all zu gut bekannt.

Damit die Geschichte sich nicht wiederholt, sollten sich die Menschen von Pauschalurteilen fernhalten und nicht hinter jedem, vor allen Dingen praktizierendem Muslim, einen potentiellen Terroristen sehen. Die Menschen haben sich ein halbes Jahrhundert mit der Frage beschäftigt, wie es zu Anschlägen auf Synagogen kommen und es möglich sein konnte, dass gewisse Beamte in aller Ruhe vereinzelt Angehörige einer religiösen Minderheit aus ihren Häusern holten, ohne dass die umliegenden Anwohner protestierten oder versucht hätten, das zu verhindern. Die Bevölkerung damals hat zu einem großen Teil, unter dem Eindruck jener neuen Kraft und auf Grund falscher Versprechungen, aufgehört, Behauptungen und Informationen zu hinterfragen, so dass sie nicht mehr Herr ihrer Gedanken und Überzeugungen waren, sondern von außen gesteuert wurden. Ein weiterer Grund war die Tatsache, dass die ethnischen Minderheiten durch ihre Verurteilung im Vorfeld ihre Gesellschaftsfähigkeit verloren haben und ihnen auch das Recht entzogen wurde, auf gemachte Anschuldigungen und Behauptungen öffentlich zu reagieren. Ich möchte nicht damit sagen, dass unsere Situation im Allgemeinen die der damaligen ähnelt, vereinzelt jedoch finden wir durchaus Parallelen. Ein Beispiel dafür ist der bekannte Fall von Khaled al-Masri, der als deutscher Staatsbürger auf Grund eines falschen Verdachts vom amerikanischen Geheimdienst entführt, fünf Monate in afghanischen Gefängnissen misshandelt und daraufhin in der Wildnis des Balkan als freier Mann ausgesetzt wird. Keine Entschädigung, keine Entschuldigung, dafür ein abgelehntes Berufungsverfahren seitens der Amerikaner und eine zerstörte Seele, die seit drei Jahren in psychologischer Behandlung ist. In vielen , Ländern Europas finden Entführungen durch den CIA unter Wissen ihrer Regierungen statt und dabei haben sie sich mitschuldig an der Folter der Gefangenen gemacht, indem sie zugelassen haben, dass unschuldige Muslime heimlich in Drittstaaten ausgeflogen und dort misshandelt wurden. Und wie viele wurden auf Grund mangelnder Beweise wieder freigelassen, nachdem sie aber über Jahre hinweg für ihre Frauen und Kinder als vermisst galten und unmenschlichen Torturen ausgesetzt waren. Dies alles können sie unter anderen in dem bereits erwähnten und gut recherchierten Buch Das Schattenreich der CIA von Stephen Grey nachlesen. Doch das schockierende und unerträgliche an diesem und anderen Büchern dieser Art ist, dass sie nichts weiter als Leselektüren in den Regalen neben anderen stehen und die Lügen und Ungerechtigkeiten jener Mächte unbehelligt bleiben und keine Konsequenzen für die eindeutig Schuldigen nach sich ziehen. Erst wenn der Drang nach Gerechtigkeit in den Opfern langsam erlischt und keiner mehr da ist, den man zur Rechenschaft zeihen kann, wird man einen Dokumentarfilm herausbringen, der eine allgemeine Empörung und Wut der Öffentlichkeit hervorrufen wird und nach dem die Menschen sagen werden: Endlich ist die Wahrheit ans Licht gekommen. Doch wem nützt sie jetzt und wer muss dafür gerade stehen? Die Opfer tragen den Schaden womöglich bis an ihr Ende, wogegen die Verantwortlichen einfach das Spielfeld rechtzeitig verlassen haben und die rote Karte für sie keine Folgen mehr hat. Es ist ein Spiel der Politik und Interessen. Genauso ist es mit dem ehemaligen Präsidenten der Vereinigten Staaten George W. Bush. Zu seiner Zeit hat er einen Krieg angezettelt, der nur durch Lügen und Manipulationen begonnen werden konnte. Er hat unzähligen Menschen Leid und Tod gebracht und die Welt in ein Chaos gestürzt. Jetzt nachdem ein anderer sein Amt übernommen hat, nimmt man Stimmen der Entrüstung und Anschuldigungen war, und spricht weltweit von dem schlimmsten Präsidenten, den die USA jemals in ihrer Geschichte hervorgebarcht hat. Und das, nachdem man ihn in jedem Land dieser Welt mit Ehren empfangen und seinen Worten stets Beifall geklatscht hat.

Ferner kritisiere ich einen Teil der Medien, die für viele auch heute meinungsbildend sind, dafür dass das Bild des Islam eher mit negativen Assoziationen behaftet ist, statt die Befremdlichkeit gegenüber den Angehörigen dieser Religion und die Ängste der Menschen zu nehmen. Versuchen sie dennoch die Bevölkerung aufzuklären, tun sie das, indem sie die islamische Gemeinschaft in zwei Gruppen aufteilen: in die guten, moderaten und die schlechten, radikalen Muslime. Mit radikal meint man im eigentliche Sinne die Orthodoxie oder die religiöse Praxis, die sich stark an den Quelltexten des Islam anlehnt und nicht Muslime, die immer und überall bereit sind, sich in die Luft zu sprengen und zu morden. Die Menschen sollten sich über eine derartige diskriminierende Ansicht Gedanken machen, andernfalls könnte man auch die jüdische Gemeinschaft hierzulande in eine Moderate und eine Radikale unterteilen, zumal die Praktiken der orthodoxen Juden nach ihrem heiligem Buch ausgerichtet ist, indem die Männer Bärte und ihre Frauen das Kopftuch tragen, sie nur geschächtetes  Fleisch essen und ihre Kinder nach traditionellen Werten erziehen. Das würde schon reichen, um einem Muslim Radikalität vorzuwerfen. Ein Jude würde es akzeptieren als orthodox, konservativ oder streng in der Auslegung und Ausübung seiner Religion bezeichnet zu werden, niemals aber als radikal, was von vorneherein eine Gesellschaftsfeindlichkeit ausdrückt. Auch wir als muslimische Gemeinschaft wehren uns gegen eine derartig wertende Klassifizierung und Aufteilung innerhalb der Gemeinde und bleiben bei dem Standpunkt, dass Verfehlungen nicht das Problem des Islam und seiner Auslegung sind, sondern vielmehr das Resultat falschen Verständnisses Einzelner, die es nun mal in jeder Religion und Ideologie in welcher Form auch immer gibt. Ein Muslim trägt nicht die Sünden eines anderen Muslims, genauso wenig ist eine Gruppe für die Tat eines Einzelnen verantwortlich.

Auf Grund dieser – ich möchte sagen weltweiten – Pauschalisierung und der Suche nach einfachen Erklärungen, werden vermeintliche Täter zu Opfern. Wie viele Muslime auf der ganzen Welt sitzen unschuldig, ohne jegliche Anklage und nur auf Grund eines Verdachts oder des Wortes gegen die Ungerechtigkeit in Gefängnissen, wenn sie Glück haben und nicht gefoltert werden oder wie ein Hund in einem Erdloch leben, denen nicht einmal das Recht gewährt wird, sich zu verteidigen? Das ist unter anderem das Resultat des Krieges gegen den Terror. Welche Konsequenzen dagegen zieht eine Politik nach sich, die auf bloßen Lügen basiert? Offensichtlich keine, denn diejenigen, die vorsätzlich Unwahrheiten verbreitet haben, um ihre versteckten politischen und wirtschaftlichen Interessen durchzusetzen, mit dem Vorwand sich für die Menschenrechte einsetzen zu wollen, sitzen noch heute fest auf ihrem Thron oder bereits unbekümmert und sorglos auf ihrem Geld, das  sie sich durch das Blut ganzer Völker erwirtschaftet haben. Es ist schon lange kein Geheimnis mehr, dass der Grund in den Irak einzumarschieren, berechnend ausgedacht wurde und dass ihre Anführer die Welt vorsätzlich angelogen haben, um sich für den Krieg eine Legitimation der Völkergemeinschaft einzuholen. So lautete der Kriegsspruch: Wer nicht für uns ist, ist gegen uns. Und wie viele waren ab dem ersten Moment auf der Seite des Lügners, was unter Umständen aus Mangel an Informationen oder eher auf Grund ihrer Naivität noch verzeihbar war, doch jetzt, wo die ganze Welt die Lüge bezeugt hat, ist es erschreckend, dass dieser Betrug keine Konsequenzen nach sich zieht, sondern weiterhin materiell und moralisch unterstützt wird. Zu Lügen und gleichzeitig ein Führer eines Staates zu sein, scheint kein Widerspruch und auch keine Gefahr zu sein. Ein Mensch jedoch mit etwas längerem Bart oder verdecktem Haar mag eine potentielle Bedrohung für die Welt und ihre Sicherheit und keine ungewöhnliche Erscheinung im Gefängnis zu sein. Hätte ich hingegen die Welt angelogen, ein fremdes Land besetzt und 150000 Menschen[5], die seit Begin des Krieges bis zu diesem Zeitpunkt offiziell im Irak umgekommen sind, auf dem Gewissen, würde ich aus goldenen Tellern essen und die Welt läge mir zu Füßen. Ist es nicht Zeit für jeden einzelnen, sich zu besinnen und aus der Lethargie aufzuwachen, bevor wir auf ähnliche Weise, wie es manche nach dem Dritten Reich taten, bereuen und uns fragen: Wie konnte das passieren?

Wenn also über einen vermeintlichen Terroristen Recht gesprochen werden soll, dann nur unter der Vorraussetzung, dass auch der Kläger vor den Richter tritt, andernfalls kann es keine Rechtsprechung und Gerechtigkeit geben. Ein Gericht, in dem der Angeklagte bereits vor dem Urteilsspruch schuldig ist und der Kläger Narrenfreiheit genießt bzw. gar nicht verurteilt werden darf, entzieht sich jeder Legitimität und ist in einem Rechtstaat undenkbar. Diese Art von Rechtsprechung wird eigentlich den Ländern vorgeworfen, gegen die der demokratische Feldzug geführt wird und im Allgemeinen als Schurkenstaaten und Diktaturen bekannt sind.

Der Bürger des Westens, im Land des Friedens, der sich durch Anschläge bedroht fühlt und sich vielleicht zu den Betroffenen zählt, sollte es nicht versäumen, sich zu fragen, warum diese Angriffe stattfinden. Jeder sollte sich fragen, ob und wenn ja, welche Verantwortung er persönlich für die Leiden der anderen in der Welt trägt, wenn man schon heute gerne von einer globalen Welt oder der Weltgemeinschaft redet. Wenn man bereit ist, sich für einen Wal am anderen Ende der Welt, der vom Aussterben bedroht ist, einzusetzen, was sollte man dann erst alles versuchen, um das Leben eines Menschen zu retten? Die Rede ist aber leider nicht von einem Menschen, sondern von Völkern. Von dem Volk der Tschetschenen, die seit einem Jahrzehnt systematisch unter den Augen der Weltöffentlichkeit täglich dezimiert wird, deren Frauen von den Augen ihrer Männer geschändet werden und Kinder in den Händen ihrer Mütter sterben. Und jeden Zweifler verweise ich auf Berichte von Amnesty International oder ähnlichen Organisationen, um sich von diesen Tatsachen zu überzeugen. Sie beschreiben den Krieg in Tschetschenien als eine reine ethnische Säuberung und als ein Verbrechen an der Zivilbevölkerung. Der Schuldige hingegen sitzt weiterhin sicher auf seinem Thron und genießt vollste Anerkennung westlicher Diplomatie, obwohl er sogar deren heilige Kuh geschlachtet hat; die Pressefreiheit, indem er jeden kritischen Journalisten seines Landes mundtot gemacht hat und Redaktionen hat schließen lassen. Diese Tatsache erlaubt ihm Dinge zu sagen, die jeden Politiker anderer liberaler Staaten, die Macht oder im mindesten Fall seine Glaubwürdigkeit kosten würde:

„ Man muss die Höhlen finden und sie (die Terroristen) wie Ratten vernichten ‚, sagte Putin. Es sei nötig, gezielt am richtigen Ort zuzuschlagen’… Putin hatte bereits mehrfach mit drastischen Ausdrücken zur Bekämpfung der tschetschenischen Rebellen aufgerufen, die die russische Regierung meist als , Terroristen‘ oder , Banditen‘ bezeichnet. Nach einer Reihe von Anschlägen in Moskau im September 1999 hatte Putin angekündigt, Terroristen sogar auf dem ,Klo kaltzumachen‘. Diese und ähnlich vulgäre Äußerungen ließen Putins Beliebtheit in der Bevölkerung Umfragen von Soziologen zufolge ansteigen. „[6](statt zu sinken)[7]

Und das tragische und unausstehliche an diesem Krieg ist die Tatsache, dass der Einmarsch der Russen in Tschetschenien offiziell mit einem Terroranschlag muslimischer Extremisten auf einen Wohnblock begründet war, was weltweit in allen Zeitungen und Nachrichtensendern zu sehen war. Einige Monate später, als die russischen Streitkräfte schon längst in fremdes Territorium eingefallen sind, tauchten aus der Richtung des russischen Geheimdienstes plötzlich Gerüchte auf, die jene Behauptung zu Lasten der Muslime widerlegten. Es wurde gesagt, dass der Geheimdienst selbst den Anschlag verübt hat, um einen Einmarsch in Tschetschenien zu rechtfertigen, was später offiziell durch den englischen Geheimdienst bestätigt wurde. Aber diese Nachricht war kaum zu sehen noch zu lesen, außer als beiläufige Bemerkung in einem Artikel auf den letzteren Seiten einer Tageszeitung. Und zwei Menschen, die damals mehr oder minder erfolgreich versucht haben diese Wahrheit ans Licht zu bringen, sind heute tot. Die eine, eine russische Journalistin namens Anna Politkowskaja, die sich bis zu ihrem letzten Atemzug für die sofortige Beendigung des Krieges in Tschetschenien einsetzte und eine entschiedene Gegnerin des Kremls war, wurde vor ihrer Wohnung erschossen aufgefunden. Der andere, Alexander Litwinenko, ein ehemaliger Top-Agent des russischen Geheimdienstes, der als erster das Komplott des FSB an die Öffentlichkeit brachte und daraufhin schutzsuchend ins englische Asyl ging, wurde auf mysteriöse Weise vergiftet und starb nur einige Tage später an den Folgen der Intoxikation. Viele Indizien weisen auf eine Tat des russischen Geheimdienstes hin.

Zusammen mit Juri Felschtinski, einem US-amerikanischen Historiker russischer Herkunft, verfasste er 2002 das Buch Blowing up Russia: Terror from Within; russisch ФСБ взрывает Россию (deutsch: „Der FSB sprengt Russland in die Luft“). Die auf Menschenrechtsfragen spezialisierte russische Nachrichtenagentur Prima, welche vom ehemaligen Sowjetdissidenten Alexander Podrabinek geleitet wird, ließ das Buch in Lettland drucken und wollte es in Moskau mit einer Auflage von 4400 Exemplaren verkaufen. Der Lastwagen mit der Auflage wurde indes im Rahmen einer Antiterror-Aktion beschlagnahmt. Die zentrale These des Buches ist, dass die Sprengstoffanschläge von 1999 auf Wohnhäuser in Moskau und anderen russischen Städten, bei denen rund 300 Menschen den Tod fanden, entgegen den Behauptungen von offiziellen russischen Stellen nicht von tschetschenischen Terroristen verübt wurden. Vielmehr gingen die Anschläge – so die Autoren – auf das Konto des russischen Geheimdienstes FSB und dienten im Rahmen einer Strategie der Spannung als Vorwand für die Entfesselung des Zweiten Tschetschenienkriegs. Dieselbe Theorie vertraten auch Mitglieder einer öffentlichen Kommission um Sergei Kowaljow. Ihre Mitglieder wurden von einer Reihe von Zwischenfällen heimgesucht: Der Kommissionsvorsitzende Sergej Juschenkow wurde am 17. April 2003 erschossen.[5] [6] Dem Ermittler der Kommission, dem Anwalt Michail Trepaschkin – wie Litwinenko ein ehemaliger FSB-Offizier – wurde eine Pistole untergeschoben, er wurde im Mai 2004 wegen Verrats von Staatsgeheimnissen und illegalem Besitz von Munition zu vier Jahren Lagerhaft verurteilt. Nach Angaben von Amnesty International war das Verfahren „offenbar politisch motiviert“ und entsprach „nicht den internationalen Standards für faire Verfahren“. Russische Menschenrechtsgruppen gingen davon aus, dass „die Anklagen gegen ihn konstruiert wurden, um zu verhindern, dass er seine Ermittlungen zu den 1999 verübten Bombenanschlägen auf Wohnhäuser fortsetzen konnte“, so Amnesty International. Das Kommissionsmitglied Juri Schtschekotschichin, Vize-Chefredakteur der Wochenzeitung „Nowaja Gaseta“, starb am 3. Juli 2003. Offizielle Todesursache war eine schnell verlaufende allergische Reaktion, das sogenannte Lyell-Syndrom. Die politischen Freunde des Verstorbenen zweifelten diese Darstellung an. Sie wiesen darauf hin, dass der Verstorbene nicht an Allergien gelitten habe und dass nie geklärt wurde, was den angeblichen allergischen Schock auslöste. Ihre Versuche, die Umstände des Todes näher zu untersuchen, wurden jedoch von offizieller Seite behindert; zahlreiche Fragen konnten nicht beantwortet werden. Einige westliche Medien sprechen von Vergiftung. Die russische oppositionelle Internetzeitung grani.ru reiht den Fall unter die großen politischen Morde in Russland ein.

Eigenen Aussagen zufolge hat Litwinenko sich zuletzt auch mit dem Mord an der Moskauer Journalistin Anna Politkowskaja beschäftigt. Er soll sich am Tag seiner Verstrahlung mit Polonium-210 mit dem italienischen Geheimdienstexperten Mario Scaramella getroffen haben, der ihm angeblich wichtige Unterlagen zu diesem Fall überreichte. Darin sollen Mitglieder einer Spezialeinheit des FSB als Urheber des Mordes an Politkowskaja angeführt werden. Litwinenko sei in diesen Unterlagen ebenso wie der in London lebende russische Oligarch Beresowski als nächstes Ziel von Anschlägen genannt worden.

Am 1. November 2006 ließ sich Litwinenko mit Vergiftungserscheinungen in ein Krankenhaus einweisen. In den folgenden Tagen verschlechterte sich sein Zustand rasant. Die Mediziner gingen zuerst davon aus, dass Thallium für den körperlichen Verfall Litwinenkos gesorgt hatte. Erst wenige Stunden vor dem Ableben fand man große Mengen der radioaktiven Substanz Polonium-210 im Urin. Litwinenko starb am 23. November 2006 um 21.21 Uhr Ortszeit an den Folgen der Polonium-Vergiftung. Nur wenige Stunden bevor er das Bewusstsein verlor, erklärte Litwinenko in einem Interview mit der Times, dass er vom Kreml zum Schweigen gebracht worden sei.

Die Beerdigung auf dem Londoner Highgate-Friedhof wurde nach islamischem Ritus abgehalten (Litwinenko war kurz vor seinem Tod zum Islam übergetreten). Litwinenko hinterließ seine Frau Marina und einen zehnjährigen Sohn. [8]

Ich bitte Allah t’ala diesen mutigen Mann für seinen Einsatz und seine Aufrichtigkeit mit dem schönsten Lohn zu belohnen. Amen.

Dann möchte ich noch die täglichen 9/11’s der Palästinenser erwähnen, die man aus der Weigerung heraus ihr eigenes Haus zu verlassen, um einem anderen Volk Platz zu machen, und dabei Zigtausende getötet, vertrieben oder unter übelsten Bedingungen in die Besenkammer eingeschlossen hat und es dann sogar beschuldigt, den Staat Israel zu terrorisieren und jedem Friedensversuch entgegenzuwirken. Obwohl die Anfänge des Nahost-Konflikts nun einige Jahre zurückliegen, ist das Verbrechen ein Verbrechen geblieben, entgegen der Annahme, dass die Zeit jede Sünde rein wäscht. Mit welchem Recht erhebt ein Dieb ein Besitzanspruch auf seine Beute und beschuldigt noch dazu denjenigen, der sich sein Gut zurückholen möchte, ein Terrorist zu sein? Der Mann, der seine Frau und Kinder zurücklässt, um sie von dem Joch der Unterdrückung zu befreien, ist der Verbrecher und Terrorist, der Pilot des israelischen Kampfjets hingegen ist der Friedenstifter und Kämpfer für Gerechtigkeit, dessen Bombe den Bösen vom Guten unterscheiden kann. Selbst das hat den Israelis nicht gereicht, um sie ruhig in fremden Häusern schlafen zu lassen. Dort (in Deutschland) wurde einst als Symbol der Unterdrückung im Taumel des Jubels und der grenzenlose Freude eine Mauer zerstört, während hier (in Palästina) nun buchstäblich in aller Ruhe eine neue noch sicherere und größere aufgebaut wird. Dank des technischen Fortschritts – der scheinbar immer mehr auf Grund unserer Tatenlosigkeit ein Beweis gegen uns wird –  ist die ganze Welt Zeuge dieser offenkundigen Freiheitsberaubung. Am Ende wird die Mauer stehen und wird möglicherweise wieder einige Jahrzehnte warten, bis man sie bei ihrer Zerstörung zum einem Symbol für Freiheit und Gerechtigkeit erklärt und die jahrzehntelange Apathie der Verantwortlichen und Mächtigen offen legt. Täglich wird das Volk Palästinas dezimiert, das Auge des jüdischen Scharfschützen kennt weder den Unterschied zwischen einem Kind und einem Mann noch den einer Frau und eines bewaffneten Kämpfers. Ende 2008 marschiert die israelische Armee in Gaza ein und innerhalb wenigen Wochen sind nach offiziellen Angaben auf palästinensischer Seite mehr als 1500 Zivilsten ums Leben gekommen. Die Wahrheit darf erst nach der Show auf die Bühne, was dann kaum noch jemanden interessiert:

Für die meisten Israelis sei der Gaza-Krieg “ein schwarzes Loch“, meint Yehuda Shaul, einer der Gründer von “Breaking the Silence“. Die israelische Öffentlichkeit weiß bis heute nicht, was ihre Truppen während der so genannten “Operation Gegossenes Blei“ in Gaza getan haben. Die meisten verließen sich auf die Informationen in den israelischen Medien, die der Militärzensur unterliegen. Kein Israeli konnte sich nach dem Ende des Krieges Mitte Januar selbst ein Bild von der Zerstörung im Gaza-Streifen machen. “Breaking the Silence“ hat 26 Soldaten gefunden, die bereit waren, über den Krieg zu berichten, natürlich unter der Bedingung der Anonymität. Ihre Zeugnisse sollen das “schwarze Loch“ des Unwissens in Israel jetzt auffüllen. Ein Infanterist erinnert sich: “Während unseres Aufenthalts dort, von dem wir nicht wussten, wie lange er dauern wird, mussten wir die Umgebung so gut wie möglich inspizieren. ‚Inspektion‘ ist ein schönes Wort für systematische, zielgerichtete Zerstörung der Umgebung.“ Für Yehuda Shaul von “Breaking the Silence“, selbst Reservist, belegen die Berichte, dass die israelische Armee im Gazakrieg eine völlig neue Strategie anwandte: “Das Besondere an der ‚Operation Gegossenes Blei‘ ist, dass die israelische Armee zum ersten Mal die Taktik und Methodik des Krieges auf einen palästinensischen Ort anwendet. Die Armee hat damit im Grunde genommen einen Strategiewechsel vorgenommen, es fand ein Umdenken statt, ohne die Bürger davon zu benachrichtigen.“ Zum ersten Mal, so Shaul, sei die Armee mit der Maßgabe in eine Operation gegangen, auf der eigenen Seite so wenig Verluste wie möglich zu machen und dafür alles zu tun. “Wir sind nicht bereit, unsere Soldaten zu gefährden – und es ist uns egal, ob Zivilisten gefährdet oder getötet werden. Die Armee hat ihre ethischen Richtlinien verworfen.“ Die Armee kämpfte gegen die Hamas, eine Guerilla-Truppe – aber mit Mitteln, die im Krieg zwischen Armeen üblich sind – als stünden ihr die Panzerdivisionen Syriens oder Ägyptens gegenüber. Nach den Berichten der Soldaten zerstörten die israelischen Truppen den Gazastreifen wahllos, ohne Rücksicht auf Schuld oder Unschuld oder Zugehörigkeit zur Hamas. Die Soldaten wurden auf die Kriegsstrategie während der “Operation Gegossenes Blei“ in Manövern vorbereitet. Die Genauigkeit der Treffer war ihren Berichten zufolge weniger wichtig als die größtmögliche Zerstörung. Ein Feldwebel der Panzertruppen über die Gespräche mit seinem Vorgesetzten vor dem Krieg: “Den Leuten, die Fragen zur Ethik hatten und ihn auf Unschuldige ansprachen, antwortete er, dass wir uns im Krieg befinden würden und wir nicht zögern sollten, alles zu zerstören, Moscheen und alles, was wir als Bedrohung definieren. Die Grundeinstellung ist, das Feuer zu eröffnen und nicht über die Folgen nachzudenken. Jedes Hindernis und jedes Problem wird durch das Eröffnen des Feuers gelöst, ohne dass Fragen zurückbleiben dürfen, selbst wenn es sich um einen Beschuss von etwas handelt, was wir nicht kennen oder sehen.“ “Das ist nicht die Armee, die ich kenne“, so resümiert der Reservist Yehuda Shaul, der viele von den Interviews mit den Soldaten des Gazakrieges selbst geführt hat. Für ihn ist die “Operation Gegossenes Blei“ ein Sündenfall. Eine Armee, die sich bisher ihrer ethischen Verantwortung bewusst war, habe diese im Gazakrieg gänzlich aufgegeben.[9]

Der Fehler der alten Frau war, dass sie ihr Haus verließ. Als die Palästinenserin eine Straße überquerte, zog ein israelischer Soldat seinen Abzug durch. Er traf die Frau tödlich. Der Schütze war 100 Meter von seinem Opfer entfernt, in einer sicheren Stellung. Ein Offizier hatte den Todesschuss befohlen. Jeder Palästinenser, der sich noch in der Innenstadt von Gaza aufhalte, sei ein Terrorist. „Kaltblütiger Mord“, nennt ein Kommandant der israelischen Armee das heute. Ein anderer hoher Offizier berichtet von einem Scharfschützen, der eine Mutter und ihre beiden Kinder erschoss – der Reihe nach. Sie hatten eine Linie überquert, die der Soldat sichern sollte. „Ich glaube nicht, dass er sich besonders schlecht fühlte, weil er aus seiner Sicht nur nach seinen Vorschriften handelte“, sagte der Offizier.[10]

Vergeblich warten wir auf die Minute des Schweigens im Weißen Haus oder im britischen Parlament, die doch sonst so eilends angekündigt wird, wenn auf der Welt etwas Schreckliches passiert. Aber scheinbar sind Tod und Vertreibung tausender Muslime nicht schrecklich genug, um für sie zu schweigen, wenn schon nicht geholfen wird. Statt des Rettungsrings wirft man uns das Senkblei mit der Aufschrift Terrorist oder Undemokratisch zu oder im besten Fall, hört man, nach einem tödlichen Luftangriff auf palästinensische Zivilisten, den Satz eines UNO-Beamten:,,…man sei äußerst besorgt über die jüngsten Auseinadersetzungen im Nahe Osten.“ Und wenn es mal dazu kommt, dass sich die Vereinenten Nationen entscheiden, Israels Angriffe zu verurteilen – was sie bei dem besagten Einmarsch 2008 mit 1500 Toten nicht einmal geschafft hat – reicht stets eine Stimme bzw. das beständige Veto der USA aus, um dieses Thema dem Tagesprotokoll zu überlassen. Und die zynische und unerträgliche Begründung der Amerikaner: „Der Staat Israel hat das Recht auf Selbstverteidigung.“ Hier also werden zivile Opfer bewusst in Kauf genommen und gelten dazu offensichtlich als ein legitimes Mittel, gewisse Ziele zu erreichen.

Dies sind nur zwei Beispiele von vielen. Und ein denkender Mensch hat während des letzten Krieges im Balkan und hinsichtlich der Tatenlosigkeit der Völkergemeinschaft gesagt: „Schade, dass Bosnien kein Delfin ist, denn dann wäre es schon längst gerettet.“ Wie also sollte sich der mindeste Einsatz der Weltbürger, die Zeuge des täglichen Leids sind, äußern, und was erwarten die Unterdrückten von ihnen? Trotz der Behauptung einiger, vor diesen Problemen machtlos gegenüber zu stehen, ist das mindeste, was von ihnen erwartet wird, ihre Stimmen gegen die Verantwortlichen im gleichen Maße zu erheben und sie zu verurteilen, wie sie es mit Leichtigkeit und zügig bezüglich des Terrorismus getan haben. Und im Falle, dass ihre Behauptungen der Wahrheit entsprechen, mit ihren Stimmen einen Einfluss auf die Politik zu haben, sind sie gefordert, das menschenmöglichste zu tun, um die Schuldigen und Verbündteten des Staatenterrors zu entthronen. Und wenn sie nicht bereit sind, dieses kleine Opfer zu bringen oder ihnen das Schicksal anderer völlig gleichgültig ist, dann müssten sie sich vielleicht eingestehen, eine Teilschuld an der Tragödie unserer Zeit zu tragen.

Die eigentliche Tragik liegt jedoch darin, dass der Mensch die Geschichte, obwohl sie sich durch die Jahrhunderte hindurch wiederholt, erst begreift – oder begreifen lässt –  nachdem sie bereits in den Lehrbüchern steht, und es dann für jede Rettung  – oder Bestrafung – schon lange zu spät ist.


[1] al-Anfal, 61

[2] al-Baqara, 190

[3] Hierzu empfehle ich unter anderen die Bücher Das Schattenreich der CIA von Stephen Grey und Ich bin ein Deserteur von Joshua Key und Anne Emmert

[4] Lügen im Heiligen Land, 1998

[5] In den ersten drei Jahren des Irak-Kriegs wurden der Weltgesundheitsorganisation zufolge etwa 151.000 Zivilisten getötet. Die Zahlen fußten auf Hochrechnungen nach der Befragung von 10.000 irakischen Haushalten, teilte die WHO in Genf mit. Mitarbeiter des irakischen Gesundheitsministeriums hatten Ende 2006 und Anfang 2007 Haushalte in allen 18 Provinzen besucht.

[6] Spiegel-Online, 7. Februar 2006

[7] Anmerkung des Autors

[8] Wikipedia

[9] Quelle: tagesschau.de

[10] Quelle: Die Zeit


Erst Terrorist, dann Salafist, dann…

gitmodetainees-wikimediaEs ist erstaunlich, wie Politik und Medien es immer wieder schaffen, unsere Köpfe zu waschen. Noch erstaunlicher, dass wir es gar nicht mehr merken. Manchen scheint es sogar gleichgültig zu sein, dass sie vorsätzlich manipuliert werden und die Wahrheitsfindung ist schon lange keine moralische und ethische Notwendigkeit mehr weder für das Kollektiv noch für das Individuum.

Als sogenannter informierter Bürger dieses Landes, weiss ich, dass 99% der Bövelkerung vor weniger als 10 Jahren mit dem Begriff Salafismus nichts anfangen konnte. Sogar für mich als Muslim war das Wort lange Zeit nicht wirklich geläufig. Plötzlich jedoch ist das Wort nicht nur in aller Munde und auf jedem Stammtisch, sondern sogar eine bzw. die Bedrohung für die demokratische Gesellschaft.

Seit dem 11. September haben wir viele Ismuse kennengelernt: da gibt es den Islamismus, den Fundamentalismus, den Terrorismus, und nun haben wir das Geschwür Salafismus mit allen seinen Besonderheiten. Doch die eigentliche Gefahr für eine demokratische Gesellschaft ist der Automatismus. Da sich die eine Seite herausnehmen darf, arabische Begriffe eigens zu definieren, nehme auch ich mir ganz einfach das Recht mir meine eigenen Definitionen zurechtzulegen. Der Automatismus ist die geistige Unfähigkeit des Menschen Dinge zu hinterfragen und die völlige Hingabe an Obrigkeiten in Form der blinden Gefolgschaft und Gehorsams. Wenn die Anzahl der Individuen, die nicht von dieser Krankheit des Geistes betroffen sind, sich stetig verringert und ins Unbedeutende verliert, dann ist eine Gesellschaft wahrlich in Gefahr.

Inzwischen kenne ich auf Grund meiner bescheidenen arabischen und theologischen Kenntnisse die genaue Bedeutung des Begriffes Salaf, jedoch werde ich ihn hier nicht näher erläutern, da sich der kritische Bürger teilweise bereits damit auseinandergestzt hat, das Kollektiv jedoch eh nicht wirklich an der Wahrheitsfindung interessiert ist. Ich möchte in diesem Artikel weniger erklären, sondern dem Schlafenden an die Stirn klopfen.

Manchmal kommt es mir vor, als würde die Welt unter einer Massenhypnose stehen. Denn anders kann ich mir die Apathie und die Ignoranz der Massen einfach nicht mehr erklären. Und der 11. September 2001 ist in jeder Hinsicht ein Wendepunkt in der Geschichte. Der Krieg wurde wieder für die westliche so zivilisierte Welt ein angemessenes und notwendiges Mittel (selbst für radikale Pazifisten wie Anhänger der Grünen), zigtausende tote Zivilisten wurden zu Collateralschäden herabgestuft, Folter und Haft ohne Beweise und Anklage sind nicht mehr die Ausnahme, Gesetze werden ohne Zustimmung der Bevölkerung verabschiedet, Medien wurden zu Kriegstreibern und die Lügen der Verantwortlichen blieben ohne Konsequenzen.

Wo ist die Empörung? Der Aufschrei gegen diese unfassbaren Zustände? Sie hat sich scheinbar bei dem Salafisten entladen. Unter der Führung der Politik und den Medien sind wir wild entschlossen jedem Salafisten die Zähne zu zeigen, ihn zu verbannen und am besten auszumerzen. Wir sind die Kämpfer für die Gerechtigkeit und die Erhaltung unseres Friedens.

Man muss sich schon kneifen, um sicher zu gehen, nicht zu träumen. Was ist hier eigentlich los? Das ist oft das einzige, was ich noch sagen kann. Ich meine, der letzte Mensch auf dieser Welt hat mitbekommen, dass der Krieg im Irak auf Grund konstruierter und vorsätzlicher Lügen begonnen wurde. Wer waren die Lügner? Präsidenten und Minister. Was ist mit ihnen passiert? Nichts. Wurden sie verurteilt? Nein. Wurden sie entlassen? Nein. Wurden sie mit faulen Eiern beworfen? Nein. Doch. Ein Mann auf Seiten der Opfer hat Bush mit einem Schuh beworfen. Dafür sollte er auf Befehl des vermeintlichen Opfers mindestens 10 Jahre sitzen. Das kann einfach nicht wahr sein oder? Doch ein Traum.

Der 11. September ist bis heute ohne Beweis und ein Mysterium geblieben. Und als man den angeblich Schuldigen in Person von Usama bin Laden der Welt als Monster hätte vorführen und ihn in kollektiver Befriedigung bestrafen können, wurde der Unbewaffnete liquidiert und in größter Eile islamisch im Meer bestattet. Kann es wirklich sein, dass die Menschen diesen Unsinn glauben? Kein einziges Foto von dem größten Terroristen und Feindes des Jahrhunderts? Und diesem Monster wird von den Amerikanern eine islamische Seebestattung erteilt? Als relativ kundiger Muslim, weiss ich, dass üblicherweise der Leichnam eines Muslim ausser in Ausnahmefällen unter die Erde muss. Aber von dort könnte man ihn ja wieder ausgraben.

Es gibt seit dem 1. Tag der vermeintlich terroristischen Angriffe zu viele Unstimmigkeiten, als dass man sie einfach ignorieren könnte. Und selbst wenn man all diese Fakten als Verschwörungshumbuk abklären würde, reichten die offenbarten Lügen von Bush, Blair und Co. aus, vieles in Frage zu stellen.

Man hat sein Gewissen und seinen Verstand in die Hände der Obrigkeit gelegt. Sie denken für uns und sie geben vor, wann sich unser Gewissen gegen uns selbst erhebt. In dieser schnellen Welt der Schlagzeilenmentalität und Sensationsnachrichten ist das Hinterfragen ein Luxus und eine Frage der Zeit geworden. Nicht mehr die, der persönlichen Verantwortung und moralischen Pflicht. Bemerkenswert und zugleich beängstigend ist die Tatsache, dass offensichtliche Wahrheiten bzw. Lügen gar nicht mehr von der Gesellschaft zur Kenntnis genommen werden, im Sinne, dass Konsequenzen ausbleiben. Waren zigtausende Tote in Afghanistan und im Irak nicht genug, das Gewissen der werstlichen Welt zu erschüttern und ihre Führer im mindesten Falle in Frage zu stellen? Geschweige denn zu stürzen? Wo blieb das kollektive Entsetzen über Folter und die Käfighaltung von Guantanamo, zumal 100% der Gefangenen dort ohne ofizielle Anklage bereits seit 12 Jahren festgehalten werden. Dies können wir nur dulden, weil wir dem Westen glauben, dass dies dort Terroristen sind, und Terroristen keine Menschen sondern Monster sind. Natürlich sind es keine Väter, deren Kinder nachts nach ihrem Papi rufen. Auch keine Ehemänner, deren Frauen unendliches Leid ertragen. Auch haben sie keine Eltern, die ihre Kinder geistig begraben mussten. Nein, nur Menschen verdienen Menschlichkeit, und uns wurde gesagt, dass diese Wesen Terroristen sind.

Nein, was die Welt zur Zeit wirklich bewegt und erzürnt, sind Salafisten, die Bücher verteilen und überall Anschläge beinahe verübt hätten. Weil die meisten Terroristen in Sicherheit sind, braucht man nun einen neuen Feind und Sündenbock, und auch eine Ablenkung für die eigentlichen Probleme dieser Welt.

Ich persönlich bleibe dabei mich als Muslim zu bezeichnen und hatte jeher Schwierigkeiten mir zusätzliche Namen anzuhängen, obwohl mein Art des Islam auszuleben eher der salafistischen Richtung zuzuordnen wäre. Denn der salafistische Islam im Groben bedeutet nichts anderes, als den Islam auf Grundlage klassischer und authentischer Quellen zu interpretieren und auszuüben. Heutzutage ist der lange Bart ein Merkmal des Salafisten geworden, was absolut falsch und zugleich fatal ist. Es ist ein Merkmal des Muslims und somit wird ein Träger des desselbigen auf der Strasse nicht mehr als Muslim identifiziert sondern als Salafist und somit als ein Feind der Gesellschaft. Was wird nun von mir erwartet: dass ich mich verberge, indem ich meinen Bart kürzer schneide oder rasiere? Oder durch die Welt gehe und überall und jedem mich für mein Äußeres entschuldige mit dem Versprechen kein Salafist zu sein? Ich werde nichts davon tun, weil es falsch wäre. Nicht ich muss mich ändern, sondern diejenigen die das Öl ins Feuer gegossen haben, indem sie einen Teil der islamischen Welt dämonisiert haben. Ich bezweifele jedoch, dass sie es jemals tun werden, selbst dann nicht, wenn die erste Moschee brennt, was in Deutschland ohne größeren Schlagzeilen schon öfter geschehen ist. Auch hier: Empörung? Fehlanzeige

So wie man zuvor im Zuge der Terrorbekämpfung, auch jeden Freiheitskämpfer, Aufständischen, Rebellen, und oft auch nur den Kritischen als Terroristen nach neuer Definition erkannt und gebrandmarkt hat, so ist auch heute jeder Muslim mit Bart, langem Gewand und Schleier ein Salafist und Gefahr für die Gesellschaft. Diese Propaganda und Gehirnwäsche geht sogar soweit, dass Kindern in Schulen und Kindernachrichten[1] im Fernsehen der Unterschied zwischen einem Salafisten und dem normalen Muslim erklärt wird. Und den Kindern wird tatsächlich vermittelt, dass sie selber schon Salafisten an äußeren Mermalen erkennnen (und hassen) können. Mit anderen Worten: dieser spezielle Muslim ist kein Teil der Gesellschaft.

Die Muslime im Westen sollten nicht den Fehler machen, sich auf diesen Spaltungsversuch zwischen gutem und schlechtem Moslem bzw. moderatem und konservativem Islam einzulassen, um sich selber vor Anschuldigungen zu bewahren und anderern klarzumachen, dass man immer noch ein Teil dieser Gesellschaft ist. In meinen Augen hat man diesen Fehler bereits bei dem ersten ismus gemacht, indem man die falsche und ungerechte Definition des Terrorismus einfach übernommen und teilweise die Muslime in den eigenen Reihen nach diesen Vorgaben bewertet hat. Dadurch hat man die Aussonderung, Festnahmen und Verurteilungen vieler unschuldiger Muslime tragischerweise in Kauf genommen und teilweise sogar begrüßt. Der Terror nach gängiger Definition ist die Tötung Unschuldiger. Und man sollte sich nicht einreden lassen, dass das ein Problem und ein Merkmal des Islam wäre und die Tatsache erkennen, dass die Welt heute nur unter dem Staatsterror leidet und stirbt. Man sollte nicht seine Religion gegen die Akzeptanz in der Gesellschaft eintauschen, indem man Zugeständnisse macht, die man eigentlich nicht machen will. Oder etwas von der eigenen Religion verleugnet, um letztlich nur geduldet zu werden. Und wer weiß, vielleicht gibt es eines Tages wieder einen neuen ismus, den man gefordert ist zu verurteilen und zu verleugnen, und dabei noch ein Stück seiner Identität preis geben muss.

[1] http://www.tivi.de/fernsehen/logo/artikel/38623/index2.html