Türkei – Das rote Tuch Europas

imagesGlaubt man den westlichen Medien, versinkt die Türkei in diesen Tagen nach dem gescheiterten Putschversuch  im Chaos – Terror und Angst statt Erleichterung und Ordnung macht sich breit, islamistische Mobs und fanatische Erdogan-Anhänger ziehen durch die Straßen türkischer Großstädte, ausländische Investoren, Geschäftsleute und Besucher wollen möglichst schnell das Land verlassen, tausende Individuen werden willkürlich verhaftet und Menschenrechte werden mit Füßen getreten, Erdogan wütet mehr als je zuvor…

Sorge vor der Ungewissheit hat unendlicher Dankbarkeit Platz gemacht, diese historischen Tage vor Ort miterleben zu dürfen und noch mehr einmal mehr die handfeste Bestätigung dafür erhalten zu haben, dass westliche Medien schlicht und ergreifend lügen und polarisieren. Mir ist durchaus bewusst, dass sich die meisten Menschen von solchen Aussagen inzwischen distanzieren und bisweilen angewidert sind, weil diese Sätze und ähnliche scheinbar nur noch aus gewissen Lagern kommen und jedem Kritiker der Medien, die übrigens immer noch in den Händen von Springer und Bertelsmann sind, den Wind aus den Segeln nehmen. Derjenige jedoch, der sich diesem Spiel zwischen Links und Rechts nicht hingibt und das Spiel durchschaut, weiß das Schmutz nicht sauberer wird in der alleinigen Präsenz von noch übleren Schmutz. Aber jeder der aufhört zu denken und zu hinterfragen tut dies in erster Linie zu seinem eigenen Schaden und in zweiter macht er sich zum Komplizen einer Gesellschaft, die sich einer Knetmasse gleich formen lässt wie es den Mächtigen passt und gefällt, die im Gegenzug jedoch ihre Ziele niemals zum Nutzen des kleinen Mannes aufgeben würden sei das Leid noch so groß.

Es ist schwer in diesen Tagen an diesen mächtigen Medienriesen vorbeizukommen und das Interesse der Menschen zu erlangen, zumal viele die sich stets weigerten, auf einen der beiden Züge aufzuspringen und versucht haben neutral zu blieben um den Preis, kaum vorwärts zu kommen, aus diesem Grund es auch aufgegeben haben weiter zu schreiben und sich für die Wahrheit einzusetzen, die trotzdem existiert, auch wenn gerne gefloskelt wird, dass es immer mehrere Wahrheiten gibt, sowie das rein Böse niemals existiert. Eine Lüge!

Auch mir ist mit der Zeit die Motivation abhanden gekommen, zu schreiben, weil man erkennt, dass sich die einstige Vielfalt öffentlicher Meinung mehr und mehr zu einer zähen Masse verschmelzt, die keine Facetten mehr erlaubt, aber manchmal kann man nicht anders als es einfach herauszuschreien, einer großen Ungerechtigkeit geschuldet. Und das, was die westliche Welt über die Türkei von sich gibt, ließ es nicht zu, diesmal stumm zu bleiben.

In der westlichen Welt ist es das Volk, das auf die Straße geht, in der anderen ist es der Mob und Fanatiker, die die Straßen überfluten und Angst und Schrecken verbreiten, wie viele Medien die Lage in der Türkei während und nach dem Putschversuch beschrieben haben. Und ich möchte als Augenzeuge jedem mitteilen, dass dies eine große und unverschämte Lüge ist und damit ein ganzes Volk verleumdet wird, deren Mut und Entschlossen in der Welt eigentlich seinesgleichen sucht, denn das was sich in jener Nacht abgespielt hat, ist ein Lehrbuchbeispiel an friedlichem bürgerlichen Widerstand, mit dem in dieser Art in der Tat die wenigsten gerechnet haben. Die Menschen jeder coloeur und Nationalität sind geschlossen und nicht einmal mit Steinen bewaffnet auf die Strassen gegangen, um sich mit nackter Brust den schwerbewaffneten Soldaten und Panzern entgegenzustellen, die nicht gezögert haben Gewalt anzuwenden am Ende jedoch einsehen mussten, dass der Wille und Entschlossenheit des Volkes doch größer als ihre eigene war und sich somit Stück für Stück, Meter um Meter zurückgezogen haben. Und es waren keine Fanatiker oder Islamisten, die ihr Land und ihren Präsidenten in erster Linie verteidigten, wie es die Medien beschrieben, sondern Menschen aus der breiten Gesellschaftsschicht. Ich bezeuge, dass sogar ganze Familien auf die Strasse gegangen sind, um den Soldaten zu demonstrieren, dass dieser Putschversuch nur friedlich zu Ende gehen darf.

In jener Nacht gab es hier für uns in Istanbul keinen Schlaf und wir verfolgten die Ereignisse sowohl im türkischen als auch im deutschem Fernsehen live. Und wir waren derart geschockt und wütend zugleich feststellen zu müssen, wie unterschiedlich beide Seiten berichtet haben. Es gab verschiedene Besatzungspunkte der Putschisten in Istanbul, zwischen denen die Liveübertragung gewechselt hat, unter denen auch der Flughafen gehörte, doch ab dem Zeitpunkt als die Menschen dem Aufruf ihres Präsidenten, auf die Strasse zu gehen, befolgten und sie im wahrsten Sinne des Wortes überfluteten, änderten die deutschen Medien ihren Fokus. Mit keinem Bild zeigten sie, wie die Bürger motorisiert und zu Fuß die Stadt in dieser Nacht zum erleben erweckten und wie immer mehr Menschen zum und in den Flughafen strömten, um sich den Panzern entgegenzustellen. Kein einziges Bild haben sie davon  gezeigt, zumal doch hier etwas Unglaubliches und Einzigartiges passierte. Und ich bezeuge, dass jener deutsche Sender, der nonstop in dieser Nacht Bericht erstattet hat, ab dem Zeitpunkt als der türkische Präsident auf dem Flughafen gelandet ist, ihre Liveübertragung kurzerhand unterbrochen hat und irgendein altes Interview mit Karl Lagerfeld sendete, was schon hinsichtlich der Wichtigkeit der Ereignisse ungeheuerlich und unerklärbar war, zumindest für diejenigen, die die Welt der Lenker und Walter nicht erfasst haben.

Seit dieser – in der Tat – glorreichen Nacht ist das ganze Land in einer Volksfeststimmung, die man mit jedem Schritt und Tritt hier erlebt. Umso absurder und lächerlicher ist das was man in deutschen Medien liest, die von Mobs und Fanatikern in den Strassen schreiben, vom Terror und Angst der sich in der Türkei ausbreitet. Ich kann nur bezeugen, dass sich das Volk in jeder Hinsicht vorbildlich während und nach dem Putschversuch verhalten hat. Kein Laden wurde beraubt, keine Frau belästigt (wie sie immer behaupten dass dies ein bekanntes Problem der islamischen Länder ist), kein Soldat gelyncht, keine Selbstjustiz geduldet.

Natürlich werden Menschen verhaftet. Was haben sie erwartet? Was würde Deutschland machen, wenn Teile der Armee Straßensperren errichtet, Flughäfen besetzt, Fernesehsender eingenommen und das Volk mit Panzern und Düsenjets eingeschüchtert hätten, um die vom Volk gewählte Regierung zu stürzen und sie durch das Militär zu ersetzen? Keiner würde sich beschweren oder wundern wenn der Ausnahmezustand ausgerufen worden wäre und Panzer und Soldaten landesweit präsent wären und natürlich die Regierung auf der Suche nach Komplizen wäre. Alles andere wäre der Lage und der weiteren Gefahr nicht angemessen.

„Tod der Demokratie“ schreibt der Spiegel, weil Erdogan bzw. die Regierung den Ausnahmezustand ausgerufen hat. Warum wurde sie nicht in Frankreich zu Grabe getragen, wo der Ausnahmezustand schon lange über die eigentlich verfassungsrechtliche Frist hinaus herrscht? Menschen sind umgekommen aber im Gegensatz zur Türkei war die Regierung zu keiner Zeit gefährdet. Die Türkei leidet seit einiger Zeit nicht unter minder wenigen Terrorangriffen wobei dieses Land im Visier verschiedenster Feinde ist und mehr Menschen umgekommen sind als in irgendeinem anderen Land Europas. Ich frage mich dann, was muss denn erst passieren, um der Türkei das Recht zu gewähren, den Ausnahmezustand auszurufen? In Brüssel und London sah ich schon Militärfahrzeuge und schwerbewaffnete Soldaten in den Strassen und vor öffentlichen Gebäuden nach Terroranschlägen, und Panzer wären mit Sicherheit gerollt, wenn die Regierung zu irgendeinem Zeitpunkt in Gefahr gewesen wäre. In Istanbul sah ich weder Panzer noch patrouillierende Soldaten nach dem Putschversuch, stattdessen Volks- und Familienfeste landesweit. Das Volk ist nur glücklich, dass das Übel vor allem auf diese Art und Weise abgewendet wurde, und feiert sich selbst seit Tagen mit jedem Recht und auch ihre Regierung, die sie mit gewaltiger Mehrheit gewählt haben und wie ein Mann unterstützen. Weder herrscht Angst noch Schrecken unter den Bürgern wie die Medien nicht müdewerdend immer wieder erklären, wenn dann allein bei denen, die diesen Putsch geplant und durchgeführt haben und das mit Recht liebe Journalisten, auch wenn viele sich einen anderen Ausgang gewünscht hätten.

Es ist kein Geheimnis, dass Rothschild, Rockefeller und Co. nach dem Untergang des Osmanischen Reiches Unsummen in das in jeder Hinsicht so strategisch wichtige Land „investiert“ haben und nun zusehen müssen, wie die Löcher im Boden des Fasses immer durchlässiger werden und die jahrhundertlange Mühe sich möglicherweise am Ende nicht auszahlen wird. Weil sie politisch und wirtschaftlich ihren Zugriff auf die Türkei verloren haben, bieten sie alle anderen Mittel auf, um das Land zu destabilisieren. Dazu gehört sicherlich die gesteuerte Verunglimpfung Erdogans, auf die die Massen im Westen leider hereingefallen sind. Derart viel Hass und Wut habe ich bislang auf keinen anderen Politiker erleben können. Wie viele Länder hat er besetzt? Wie viele Menschen hat er auf seinem Gewissen? Was hat er ihnen bloß angetan? Wie es aussieht, war sein größtes Verbrechen nicht zulassen zu wollen, auf die unwürdigste Art öffentlich und vor aller Welt beschimpft und beleidigt zu werden. Danach gab es keine Halten mehr. Alles geht und ist erlaubt solange es um den Despoten vom Bosporus geht.

Bush, Blair und Konsorten haben die Menschen belogen und betrogen, sie in Kriege geführt, die sie nicht wollten, ihre Söhne dafür hergegeben, Länder zerbombt, hunderttausende Menschen auf dem Gewissen, aber eine kollektive Empörung auf diesem Niveau und ein derartigen Hass, den sie nun Erdogan entgegenschreien habe ich damals wie heute nicht annährend gegen irgend einen jener Kriegsverbrecher gesehen oder gehört.

Der sich so auf Gerechtigkeit berufende Bundestag hat den Mut aufgebracht, die Türkei offiziell des Genozids an den Armeniern zu beschuldigen, aber haben sie die 600000 Toten des Irakkrieges einfach übersehen? Oder ist es vielmehr die Loyalität des christlichen Abendlandes, die sie dazu gehindert hat, eine Resolution gegen den Genozid „vor der Nase“ zu verabschieden? Dies ist alles eine offensichtliche Heuchelei, doch schlimmer ist die Tatsache, dass viele Menschen nicht mehr in der Lage sind, dies als jene zu erkennen oder nicht wollen, weil sie scheinbar jemanden gefunden haben, auf den sie ihren ganzen Zorn und Unmut abladen können.

Ich befürchte, dass dieser Zug nicht langsamer geschweige denn zu stoppen sein wird, denn dazu wurde er zu sehr befeuert und wird er noch durch immer neue Anschuldigungen und vermeintliche Ausfälle Erdogans. Dazu kommen inzwischen fast tägliche Meldungen über islamistische Anschläge, die übrigens auch keiner Aufklärung mehr bedürfen, weil die Terroristen es nicht versäumen, bei jedem Attentat ihre Personalien brav zu hinterlassen. Und heute muss der einfache Mann nicht lange rumrechnen, um am Ende festzustellen, dass die Schnittmenge zwischen Terror und Türkei der Islam ist. Und rechnet er weiter, dann kommt er zu folgendem Ergebnis: Bleibt Erdogan wächst die Türkei. Wächst die Türkei wächst der Islam. Und wächst der Islam wächst der Terror. So versteht es der einfache Mann bzw. so lässt man ihn es verstehen. Derjenige der steuert und manipuliert weiß es besser: wächst die Türkei und der Islam in der dieser Region wächst der Widertstand auf dem Weg zur vollendeten Kontrolle des Nahen Osten und seiner Rohstoffe und somit zur absoluten Dominanz. Und derjenige, der die Geschichte kennt, weiß: der Terror war nie ein Teil des Islam und ist es auch heute nicht. Es ist ein Mittel zu manipulieren und die Massen zu lenken, daher sollte man sich immer fragen, wem er eigentlich nützt.

Der Westen tut gut daran, erst einmal vor der eigenen Haustür zu kehren indem er seine Kontrollstaaten wieder in Rechtsstaaten umwandelt, seinen Weg der internationalen Konfliktlösungen überdenkt und seine Arroganz gegenüber anderen Kulturen und Ansichten bekämpft, bevor er andere Länder angreift und verurteilt und sie einfach zu Diktaturen erklärt, weil sie nicht seinem System folgen und ihren eigenen Weg gehen.

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