Gefangen in der Freiheit

Fsa2010-martin-img_5109Es war einmal ein einfacher Mann. Er kämpfte für seine Freiheit bis er fiel. Ja liebe Freunde, es gab tatsächlich Menschen, die bereit waren, für bestimmte Werte sogar ihr Leben zu lassen. Der ganz Schlaue von heute würde aber prompt dagegen einwenden, was es ihm genützt hätte, wenn er am Ende ohnehin den Tod fände – und ich könnte darauf wetten, dass auch er unter jenen war, die überwältigt und beeindruckt von der Geschichte und der Persönlichkeit eines William Wallace, Gandhis oder eines Malcom X im Kinosaal den Tränen nahe waren. Jene Menschen waren schlicht und ergreifend aus einem anderen Holz geschnitzt als wir es heute sind. Sie zogen den Tod in Freiheit einem Leben in Knechtschaft vor.

Natürlich soll es kein Aufruf dazu sein, ein Pferd zu besteigen und mit gezogenem Schwert dem Unterdrücker entgegenzureiten. Hier geht es um die zwei Schritte vorher. Die Erkenntnis, dass man überhaupt seiner Freiheit beraubt wurde, und wenn der erste Schritt getan ist, wenigsten den ständigen Willen in sich zu tragen, dagegen in irgendeiner Weise anzugehen, statt zu resignieren. Es geht also um das Verständnis von Freiheit und seiner Wertigkeit, die der Mensch sich heute Stück für Stück ohne zu mucken nehmen lässt, während andere sogar bereit waren dafür zu sterben, weil eben jene Freiheit mitunter ihr Menschsein ausmachte und sich nicht auf weltliche Errungenschaften beschränkte.

Auch wir heute, bestehen auf die Freiheit und setzten uns für sie ein und auch nicht selten mehr oder minder für die Freiheit anderer rund um den Globus, jedoch wird dieses wertvolle Gut mehrheitlich falsch bewertet. Denn sie ist viel mehr als nicht hinter Gittern oder an Ketten zu sein. Die Definition der Freiheit der Menschen in der sogenannten freien westlichen Welt, orientiert sich inzwischen nur noch an der Unfreiheit anderer Nation. Wir dürfen sagen, was wir wollen, konsumieren wie wir wollen, demonstrieren, wann wir wollen und reisen, wohin wir wollen. Indem man seinen Antlitz stets nach unten wendet, wird der Blick nach oben ins Licht mit jedem Mal schmerzhafter und getrübter. Die Gründungsväter Deutschlands definierten einst Freiheit mit nichts weniger als mit dem höchsten Anspruch, den sie sich selber setzten konnten, nämlich dass die Würde des Menschen unantastbar sei, was als Artikel 1 des deutschen Grundgesetztes eigentlich jedem bekannt sein müsste.

Denkst du nun, dass du auf dieser Grundlage frei bist? Wenn sich jedoch die Ansicht über die Würde eines Menschen im Laufe der Zeit nun auch verändert haben sollte, dann mag das mit Leichtigkeit zutreffen andernfalls lautet meine Antwort: nein. Wenn die herrschende Obrigkeit sich das Recht genommen hat, dich abzuhören, deine emails zu lesen, in deine vier Wände zu spähen, über dein Bankkonto zu verfügen, deine persönlichen Daten als Ware zu handeln, auf Verdacht deinen Pass einzubehalten, dich ohne Beweise einer Straftat wegzusperren. Wenn sich der Staat über deine Interessen als Teil des Volkes völlig hinweggesetzt hat und nicht einmal zuhört, wenn du gezwungen bist genmanipulierte Nahrung zu essen, wenn in deinem Namen Krieg geführt wird, wenn du mit dem Segen des Staates medial manipuliert werden darfst, wenn du ohne Steuernummer nicht existent bist, wenn du widerwillig deine Fingerabdrücke hinterlassen musst, wenn die Obrigkeit immer weiß, wo du dich aufhältst, wen du kennst, was du isst und welche Unterwäsche du trägst, wenn deine sämtlichen Daten gespeichert und auf hundert Jahre aufbewahrt werden, wenn ein bestimmtes Wort am Telefon dich zum potenziellen Terroristen macht, wenn du gezwungen bist, durch Nacktscanner zu gehen, dann ist es durchaus Zeit langsam einzusehen, dass deine Würde schon lange angetastet wurde bzw. du deiner Freiheit ein großes Stück weit beraubt wurdest.

Aber bei uns gilt die Meinungsfreiheit, ach ja stets das stärkste Argument die vorhandene Freiheit im Westen zu belegen. Diese Meinungsfreiheit ist nur eine Illusion, von den Mächtigen dem gemeinen Volk gewidmet, um ihnen ein Gefühl von Macht und Freiheit zu verleihen, denn dieses Werkzeug ist im Hinsicht auf die herrschende Klasse wirkungslos, da sie keine Kraft hat, die Obrigkeit in ihrem Handeln in irgendeiner Weise zu beeinflussen. Der Narrenfreiheit gleich, nur im Dienste der Unterhaltung und Belustigung, solange die Worte aus dem Mund des Narren kommen, aber wehe der Ritter des Königs spräche die selben Worte, wären seine Tage als Edelmann gezählt. So wie es heute einem Köhler,Wulff und vielen anderen ergangen ist.

Aber du möchtest mit deinen Worten auch verändern, würde man mir entgegnen. Worte ändern unsere Umstände nicht, wir können uns nur gegenseitig erinnern und aufrütteln. Wie der Einzelne nun mit seinem Wissen schließlich handelt, steht auf einem anderen Blatt. Die Wahrheit ist, und das sollte sich jeder eingestehen, dass wir nicht frei sind, und das diese vermeintliche Demokratie immer mehr zu einem Kontroll- und Polizeistaat mutiert, ob wir nun debattieren, diskutieren, kritisieren, uns mit Plakaten bewaffnen und lauthals unseren Unmut herausschreien, völlig gleichgültig. Es wird das passieren, was die wollen und nicht das, was wir wollen und verweise hiermit auf die Worte Roosevelts: „In der Politik geschieht nichts durch Zufall. Wenn etwas geschah, kann man sich sicher sein, dass es so geplant war.“

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