Monatsarchiv: September 2015

Gefangen in der Freiheit

Fsa2010-martin-img_5109Es war einmal ein einfacher Mann. Er kämpfte für seine Freiheit bis er fiel. Ja liebe Freunde, es gab tatsächlich Menschen, die bereit waren, für bestimmte Werte sogar ihr Leben zu lassen. Der ganz Schlaue von heute würde aber prompt dagegen einwenden, was es ihm genützt hätte, wenn er am Ende ohnehin den Tod fände – und ich könnte darauf wetten, dass auch er unter jenen war, die überwältigt und beeindruckt von der Geschichte und der Persönlichkeit eines William Wallace, Gandhis oder eines Malcom X im Kinosaal den Tränen nahe waren. Jene Menschen waren schlicht und ergreifend aus einem anderen Holz geschnitzt als wir es heute sind. Sie zogen den Tod in Freiheit einem Leben in Knechtschaft vor.

Natürlich soll es kein Aufruf dazu sein, ein Pferd zu besteigen und mit gezogenem Schwert dem Unterdrücker entgegenzureiten. Hier geht es um die zwei Schritte vorher. Die Erkenntnis, dass man überhaupt seiner Freiheit beraubt wurde, und wenn der erste Schritt getan ist, wenigsten den ständigen Willen in sich zu tragen, dagegen in irgendeiner Weise anzugehen, statt zu resignieren. Es geht also um das Verständnis von Freiheit und seiner Wertigkeit, die der Mensch sich heute Stück für Stück ohne zu mucken nehmen lässt, während andere sogar bereit waren dafür zu sterben, weil eben jene Freiheit mitunter ihr Menschsein ausmachte und sich nicht auf weltliche Errungenschaften beschränkte.

Auch wir heute, bestehen auf die Freiheit und setzten uns für sie ein und auch nicht selten mehr oder minder für die Freiheit anderer rund um den Globus, jedoch wird dieses wertvolle Gut mehrheitlich falsch bewertet. Denn sie ist viel mehr als nicht hinter Gittern oder an Ketten zu sein. Die Definition der Freiheit der Menschen in der sogenannten freien westlichen Welt, orientiert sich inzwischen nur noch an der Unfreiheit anderer Nation. Wir dürfen sagen, was wir wollen, konsumieren wie wir wollen, demonstrieren, wann wir wollen und reisen, wohin wir wollen. Indem man seinen Antlitz stets nach unten wendet, wird der Blick nach oben ins Licht mit jedem Mal schmerzhafter und getrübter. Die Gründungsväter Deutschlands definierten einst Freiheit mit nichts weniger als mit dem höchsten Anspruch, den sie sich selber setzten konnten, nämlich dass die Würde des Menschen unantastbar sei, was als Artikel 1 des deutschen Grundgesetztes eigentlich jedem bekannt sein müsste.

Denkst du nun, dass du auf dieser Grundlage frei bist? Wenn sich jedoch die Ansicht über die Würde eines Menschen im Laufe der Zeit nun auch verändert haben sollte, dann mag das mit Leichtigkeit zutreffen andernfalls lautet meine Antwort: nein. Wenn die herrschende Obrigkeit sich das Recht genommen hat, dich abzuhören, deine emails zu lesen, in deine vier Wände zu spähen, über dein Bankkonto zu verfügen, deine persönlichen Daten als Ware zu handeln, auf Verdacht deinen Pass einzubehalten, dich ohne Beweise einer Straftat wegzusperren. Wenn sich der Staat über deine Interessen als Teil des Volkes völlig hinweggesetzt hat und nicht einmal zuhört, wenn du gezwungen bist genmanipulierte Nahrung zu essen, wenn in deinem Namen Krieg geführt wird, wenn du mit dem Segen des Staates medial manipuliert werden darfst, wenn du ohne Steuernummer nicht existent bist, wenn du widerwillig deine Fingerabdrücke hinterlassen musst, wenn die Obrigkeit immer weiß, wo du dich aufhältst, wen du kennst, was du isst und welche Unterwäsche du trägst, wenn deine sämtlichen Daten gespeichert und auf hundert Jahre aufbewahrt werden, wenn ein bestimmtes Wort am Telefon dich zum potenziellen Terroristen macht, wenn du gezwungen bist, durch Nacktscanner zu gehen, dann ist es durchaus Zeit langsam einzusehen, dass deine Würde schon lange angetastet wurde bzw. du deiner Freiheit ein großes Stück weit beraubt wurdest.

Aber bei uns gilt die Meinungsfreiheit, ach ja stets das stärkste Argument die vorhandene Freiheit im Westen zu belegen. Diese Meinungsfreiheit ist nur eine Illusion, von den Mächtigen dem gemeinen Volk gewidmet, um ihnen ein Gefühl von Macht und Freiheit zu verleihen, denn dieses Werkzeug ist im Hinsicht auf die herrschende Klasse wirkungslos, da sie keine Kraft hat, die Obrigkeit in ihrem Handeln in irgendeiner Weise zu beeinflussen. Der Narrenfreiheit gleich, nur im Dienste der Unterhaltung und Belustigung, solange die Worte aus dem Mund des Narren kommen, aber wehe der Ritter des Königs spräche die selben Worte, wären seine Tage als Edelmann gezählt. So wie es heute einem Köhler,Wulff und vielen anderen ergangen ist.

Aber du möchtest mit deinen Worten auch verändern, würde man mir entgegnen. Worte ändern unsere Umstände nicht, wir können uns nur gegenseitig erinnern und aufrütteln. Wie der Einzelne nun mit seinem Wissen schließlich handelt, steht auf einem anderen Blatt. Die Wahrheit ist, und das sollte sich jeder eingestehen, dass wir nicht frei sind, und das diese vermeintliche Demokratie immer mehr zu einem Kontroll- und Polizeistaat mutiert, ob wir nun debattieren, diskutieren, kritisieren, uns mit Plakaten bewaffnen und lauthals unseren Unmut herausschreien, völlig gleichgültig. Es wird das passieren, was die wollen und nicht das, was wir wollen und verweise hiermit auf die Worte Roosevelts: „In der Politik geschieht nichts durch Zufall. Wenn etwas geschah, kann man sich sicher sein, dass es so geplant war.“


Geistige Brandstifter

messer-in-der-handIch hasse Nazis. Aber ich hasse immer noch Bild, Spiegel und wie sie alle heißen, egal wie heftig sie gegen die jüngsten Ausschweifungen von Fremdenfeindlichkeit schreiben. Werde auch nie ein Freund von Merkel, de Maizière und Konsorten sein, die keine Gelegenheit auslassen ihre vermeintlich Philanthropie zur Schau zu stellen. Und noch mehr hasse ich diese Heuchelei.

Die Nazis von heute sind nicht die Nazis von gestern. Sie sind weniger Nationalisten als vielmehr Verteidiger des gesamten Abendlandes. Sie haben sich den Kampf gegen die Islamisierung des Westens auf die Fahnen geschrieben. Demnach sind sie nicht gegen Flüchtlinge sondern einzig und allein gegen Flüchtlinge fremder Kulturen. Ist denn niemandem aufgefallen, dass die Länder aus denen diese Menschen kommen fast ausschließlich islamisch geprägt sind?  Das was zur Zeit in Deutschland passiert, würde nicht stattfinden wenn es um Vertriebene aus Italien, Schweden oder sogar Holland handeln würde.

Das kollektive Zähnezeigen gegen jene Neorassisten ist wirkungslos, weil inzwischen täglich Asylbewerberheime brennen und man nur noch auf die Nachricht über erste Opfer wartet. Aber verhindern könne wir es offensichtlich nicht. Fletschende Zähne hätte man einige Jahre früher zeigen müssen, aber an einen anderen Adressaten, an die geistigen  Brandstifter: den Medien und der Presse. Allen voran die bereits erwähnten Bild und Spiegel, die vor allem seit dem 11. September 2001 keine Gelegenheit ausgelassen haben, den Islam zu denunzieren und Ängste zu schüren, statt Kulturen und Völker aneinander näher zu bringen. Auch wenn die einen es nicht bemerkt haben, wir haben die Islamophobie am eigenen Leib gespürt und stetig vor den Konsequenzen gewarnt. Brennende Moscheen sind schon lange Alltag in Deutschland, aber für die Titelseite der Bild hat es nicht gelangt! Jetzt sind es Flüchtlingsheime, die brennen, und morgen ihre Bewohner. Und jetzt posaunen die Medien aus allen Rohren gegen jene Nazis, die sie einst ideologisch gefüttert haben. Unerträgliche Heuchelei.

Den Anteil der Politiker an der Gesamtmisere in der Welt entgeht wahrlich nur noch den Blinden und Tauben wenn überhaupt. Daher fehlt mir etwas an Phantasie zu verstehen, wie jemand Bewunderung oder Lob dafür ernten kann, dass offensichtlich Schlechte als schlecht zu bezeichnen und vergessen ist all das, was dazu geführt hat. Jetzt kämpfen manche Köpfe der Prominenz für die Flüchtlinge bzw. vielmehr gegen die Nazis, denn hier hört der Spaß auf, was auch in Ordnung wäre, wenn man die Intoleranz gegenüber der Ungerechtigkeit überall anwenden würde. Wo waren die Zähnezeiger als die deutsche Afghanistanpolitik mit dem selten dummen Satz, dass unsere Demokratie am Hindukusch verteidigt werden muss, gerechtfertigt wurde? Und das Sterben dort geht nahezu unbemerkt und emotionslos weiter. Und letztlich war das der Trigger für alle Konflikte besser gesagt Angriffskriege, die danach folgten. Der Westen hat dem Osten nichts als Blut und Leid gebracht und das Ergebnis kriegen die Menschen hier nun zu spüren.

Und ich bin sehr gespannt, wenn die ersten Flüchtlinge in kleine deutsche Gemeinden angesiedelt und ihre Bewohner mit den äußeren Merkmalen der islamische Kultur oder gar der Forderung nach einer Moschee zum ersten Mal konfrontiert wurden, ob die Toleranzgrenze gegenüber den Flüchtlingen unter der nicht rechtsgesinnten Bevölkerung unverändert bleibt? Dank der geistigen Brandstifter habe ich meine begründeten Zweifel.