Monatsarchiv: Dezember 2012

Gesetze für den Bürger, ohne den Bürger, gegen den Bürger


Leben und leben lassen

102511Dieser Leitspruch, der gerne zitiert wird, um die Toleranz der westlichen Gesellschaft auszudrücken, widerspricht nicht den Lehren des Islam, im Gegenteil: unser Glaube lehrt uns dies in der Tat zu praktizieren. Der Qur’an ist das von Allah offenbarte Wort, und der Grund dieser Offenbarung bzw. der Worte, die unser Schöpfer uns hinterlassen hat, liegt nicht darin, sie nur zu rezitieren oder als Kalligraphie an eine Wand zu hängen, sondern über sie nachzudenken und vor allem in die Tat umzusetzen. Der  Qur’an  ist eine Art Leitfaden für den Muslim und umfasst viele Aspekte seines Lebens. Insbesondere sind es die zwischenmenschlichen Beziehungen, die im Qur’an sehr oft erwähnt werden und eine wichtige Rolle im Islam spielen. Allah gebietet uns gütig zu unseren Alten und milde zu den Armen und Schwachen zu sein, die Familie zu ehren, die Sorgen des Nachbarn zu teilen, gerecht gegenüber allen Menschen und sogar gegenüber seinen Feinden zu sein. Und was sagt Allah über die Religion anderer?

Es gibt keinen Zwang im Glauben [1]

Hat es nicht dieselbe Bedeutung wie Leben und leben lassen? Im Islam ist es nicht bloß ein Grundsatz oder eine Ideologie geblieben, sondern es war stets ein gelebter Bestandteil der islamischen Gesellschaft, was in vielen Geschichtsbüchern oft gesondert hervorgehoben wird. Es ist ein belegtes Ereignis, dass beim Einzug der Muslime in das damals vorwiegend christliche Jerusalem unter der Führung des zweiten Khalifen Omer ibn Al-Khattab im 7. Jahrhundert kein Blut der Ungläubigen geflossen ist. Stattdessen blieben die Kirchen und jüdischen Tempel in Obhut ihrer jeweiligen Glaubensgemeinschaft, und die Menschen waren frei ihre Religion auszuüben. Niemand wurde gezwungen zum Islam überzutreten. Während der Rückeroberung Jerusalems durch die Christen im 12. Jahrhundert, wateten, laut abendländischer Historiker, die Pferde der Eroberer durch das Blut der massakrierten Bevölkerung, das ihnen bis zu den Knien reichte. Trotz dieser Ungerechtigkeit und unvorstellbarer Gewalt setzte ein Mann hundert Jahre später ein Zeichen an Gerechtigkeit und Großmut, dass in der Geschichte unter den Reihen christlicher Herrscher und Könige seines Gleichen sucht, bis heute unvergessen geblieben ist und selbst ärgsten Widersachern unseren Glaubens Respekt abgewinnt. Nachdem Salahuddin Al-Ayyubi Jerusalem wieder eingenommen hatte, behandelte er den Christenkönig mit Respekt, verschonte das Leben aller gegnerischen Soldaten und ließ sie in Frieden samt ihrem Besitz aus der Stadt ausziehen, was insbesondere zu jener Zeit etwas außergewöhnliches und absolut unübliches war. Im mindesten Fall wurden in der Regel sämtliche Soldaten niedergemacht und die Bevölkerung wurde schikaniert und ausgebeutet. Niemand wurde gezwungen zum Islam überzutreten, stattdessen waren die Juden und Christen frei ihre Religion auszuüben und die Schlüssel ihrer Gebetsstätten wurden in ihre Hände gelegt. In der 800jährigen Geschichte des islamischen Andalusien[2], das heute noch ein Symbol für höchste Zivilisation und Fortschritt ist, herrschte Glaubensfreiheit unter den monotheistischen Religionen bis die Christen ins Land der Muslime eindrangen und damit die Verfolgung und Ausrottung der Heiden, gemeint Muslime und Juden, begann. Diejenigen, denen die Flucht übers Meer nicht gelang, wurden entweder getötet oder zum Christentum zwangsgetauft.

Als die westlichen Grenzen des Osmanischen Reiches in seiner letzten Phase durch die erstarkten Habsburger bedroht waren, war es nicht allein ein Konflikt zwischen Muslimen und Christen. In den Reihen des osmanischen Heeres gab es Kämpfer, die sich selber Kuruzzen nannten, was in ihrer Sprache Kreuzritter bedeutete. Es waren unter anderem serbische, walachische und ungarische Christen, die gegen das katholische Österreich kämpften. Die Habsburger duldeten neben ihrer katholischen Kirche keine anderen Glaubensrichtungen, so dass sie evangelische und griechisch-orthodoxe Kirchen in Katholische einfach umwandelten und jede andere Art des Gottesdienstes verboten. Es kam auch nicht selten vor, dass Christen aus den Grenzgebieten des österreich-ungarischen  Königreiches ins Osmanische Reich umsiedelten, um ihre Religion frei ausüben zu können. Das österreichische Schimpfwort Kruzitürke ist übrigens in jener Zeit entstanden und wurde von Kuruzzen abgeleitet, womit eben die Christen bezeichnet wurden, die unter türkischer Fahne gekämpft haben.

Die Geschichte liefert noch viele weitere Beispiele und unterstreicht damit die Tatsache, dass dem Islam die Zwangskonvertierung fremd ist, zumal dieses Gebot vom Westen bis zum Osten  des islamischen Gebietes eingehalten wurde, und folglich keine Laune oder Anfall der Güte des jeweiligen Herrschers oder Führers war. Selbst die Tyrannen unter ihnen, die es zweifelsohne leider auch gab, kamen nicht auf die Idee, Menschen anderen Glaubens den Islam aufzuzwingen. Trotz ihres beschränkten und durch Macht und Gier vernebelten Verstandes war ihnen immer noch klar, dass der Islam ohne die Aufrichtigkeit des Herzens weder der Gemeinschaft noch dem Betroffenem selber von Nutzen ist. Einen Menschen unter Zwang zu bekehren ist, wie jemandem mit vorgehaltener Waffe zu befehlen, sich zu ergeben und zu tun was man verlangt. Doch sobald man sich von ihm abkehrt und die Waffe abwendet, wird er zu dem zurückkehren, worauf er vorher war. Sein Gehorsam war demnach rein äußerlich, denn sein Inneres hat sich dem Befehl nicht gefügt. Die Ergebenheit eines Menschen liegt in seinem Herzen und äußert sich dem folgend in seinen Taten und Gedanken und nicht umgekehrt.

Leben und leben lassen ist ein hohes moralisches Gut der Muslime, obwohl wir in der heutigen Zeit von außen eher als die strengste und intoleranteste Gemeinschaft angesehen werden. Man fragt sich, woran das liegen mag? Der Vorwurf richtet sich insbesondere an die Einschränkung der persönlichen Freiheiten, die man angeblich in der islamischen Lebensweise wieder findet, dabei ist das den westlichen Gesetzen nicht fremd. Der Bürger dieses Landes genießt zwar auf der einen Seite viele Freiheiten, auf der Anderen ist er durch Gesetze teilweise auch in der persönlichen Entfaltung eingeschränkt, um die Rechte anderer nicht zu verletzen, sich selbst nicht zu schaden, aber auch um moralische Grundsätze nicht zu übertreten. Leben und leben lassen ist also nicht gänzlich von Gesetzen losgelöst, andernfalls wäre Anarchie die Folge der rein wörtlichen Befolgung dieser Ideologie. Es ist demnach nicht eine Frage ‚ob man das Individuum in seiner Handlungsweise einschränken soll, sondern wie weit die Grenzen gesteckt werden müssen oder können. Und eben da liegt der ausschlaggebende Unterschied. Die einen richten sich nach den  tatsächlichen moralischen Ansichten der Gesellschaft, die je nach Zeit und Ort verschieden sein können, und die Grundlage der anderen sind Gottes Gesetze, an die sie als Gläubige glauben. Woher aber stammen eigentlich die moralischen Ansichten zum Beispiel des christlichen Abendlandes? Sind die Menschenrechte etwa nicht auf Grund des christlichen Menschenbildes definiert? Basieren die Grundsätze westlicher Demokratien nicht teilweise auf göttliche Gebote? Um das zu beantworten, sollten wir zurück zu den Ursprüngen gehen, die viele Menschen scheinbar vergessen haben: die Zehn Gebote.

Das erste Gebot
Ich bin der Herr, dein Gott. Du sollst keine anderen Götter haben neben mir.

Das zweite Gebot
Du sollst den Namen des Herrn, deines Gottes, nicht missbrauchen.

Das dritte Gebot
Du sollst den Feiertag heiligen.

Das vierte Gebot
Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren.

Das fünfte Gebot
Du sollst nicht töten.

Das sechste Gebot
Du sollst nicht ehebrechen.

Das siebte Gebot
Du sollst nicht stehlen.

Das achte Gebot
Du sollst nicht falsch Zeugnis reden wider deinen Nächsten.

Das neunte Gebot
Du sollst nicht begehren deines Nächsten Haus.

Das zehnte Gebot
Du sollst nicht begehren deines Nächsten Weib, Knecht, Magd, Vieh noch alles, was dein Nächster hat

Es ist offensichtlich, dass es zwischen den demokratischen Grundgesetzen und den zehn Geboten Gottes teilweise eindeutige Übereinstimmungen gibt und die Frage erübrigt sich, welche Gesetze denn älter seien. Dabei wurden manche wie Du sollst nicht stehlen ins Gesetz aufgenommen, andere wie Du sollst nicht ehebrechen zum moralischen Grundsatz erhoben und wiederum andere wie Ich bin der Herr, dein Gott. Du sollst keine anderen Götter haben neben mir liegen im Ermessen des Einzelnen, wobei sich im Laufe der Zeit ein Gesetz zur Moral und eine Moral zur persönlichen Ansicht entwickeln kann, was man dann  mitunter als Aufklärung bezeichnet. Wir sprechen vom christlichen Abendland, christlichem Menschenbild, von christlicher Moral und christlich-demokratischen Union – all dies deutet auf ihren wahren Ursprung hin. Wie weit jedoch können sie tatsächlich als christlich bezeichnet werden, wo sie doch ein Teil genommen und einen anderen verworfen haben? Bedeutet das etwa nicht, dass sie sich über Gottes Urteil hinweggesetzt haben, es sei denn sie zweifeln an der Göttlichkeit der Offenbarung und betrachten sie lediglich als eine menschliche und teilweise nützliche Erfindung.

Es ist deutlich geworden, dass Leben und leben lassen in Gesetze eingebettet sein muss, weil eben eine Gesellschaft ohne Regeln nicht lebensfähig ist. Wie also wird dieser Leitsatz auf individueller aber auch staatlicher Ebene tatsächlich angewendet? Grundsätzlich kann man sagen, dass sich jenes Motto auf Taten und Aussagen bezieht, die nicht strafbar sind, die also nur an der Moral und nicht an den herrschenden Gesetzen gemessen werden. Nehmen wir einmal als Beispiel den Ehebruch: Dem Bürger und der Bürgerin eines europäischen Landes steht es zu, seine Frau bzw. seinen Mann zu betrügen. Moralisch mag es hier und da immer noch fraglich sein und man läuft Gefahr, den Zorn seines Ehepartners zu ernten, vor dem Gesetz jedoch ist man rein. Diese Tat ist demnach nicht so verwerflich und gravierend, als dass man es  gesetzlich ahnden müsste. Hier also gilt Leben und leben lassen, ich begehe Ehebruch – seine heutige und weitaus harmlosere Bezeichnung: Seitensprung – weil und wie es mir gefällt, und muss auch anderen dieses Recht gewähren, da es nicht strafbar ist und ein Verbot die individuelle Freiheit des Einzelnen einschränken würde. Das Stehlen dagegen ist strafbar und weder darf ich es machen noch anderen dies erlauben oder gar dazu anstiften. Nicht nur das jener Leitspruch an dieser Stelle nicht greift, ihn hier praktisch anzuwenden wäre an sich schon ein strafrechtliches Vergehen, weil man neben dem aktiven Vergehen jemanden stehlen zu lassen zum Mittäter wird. Allein mit einem Dieb an einem Tisch zu sitzen oder ihn von der Verwerflichkeit seiner Taten nicht überzeugen zu wollen, wäre moralisch gesehen ein Vergehen und verachtungswürdig.

Die Muslime glauben an die Zehn Gebote. Und weil sie an Allah glauben und wissen, dass sie zu ihm zurückkehren und nach ihren Taten befragt werden, steht es für sie außer Frage, seine Gesetze uneingeschränkt zu befolgen. Es ist unmöglich von einem gläubigen Menschen zu erwarten, Gottes Gebote in Frage zu stellen oder sie zu bewerten. Dies kann nur dann geschehen, wenn Zweifel an der Existenz des einen Gottes bestehen und der Glaube nur noch eine untergeordnete Rolle spielt. Die Waage, auf der wir unsere Taten messen, ist der Wille und die Zufriedenheit unseres Schöpfers. Wir akzeptieren, was Er akzeptiert, wir tolerieren, was Er toleriert und wir verbieten, was Er verbietet.

Für einen Gläubigen ist es unvereinbar, einen Teil der Gebote Gottes anzuerkennen und umzusetzen und gleichzeitig Andere einfach zu ignorieren und zu missachten. Es ist unmöglich an einen realen, existierenden Gott zu glauben, der die Menschen am Jüngsten Tag versammeln und über sie richten wird, und zur selben Zeit seine Anweisungen zu überhören und sich von ihnen abzuwenden. Derjenige, der fähig ist derartiges zu vollbringen, sollte sich seinen Unglauben eingestehen. Seine Vorstellung von Gott scheint rein symbolischer Art zu sein. Andernfalls spricht er seinem Gott die Fähigkeit ab, Gesetze an die Menschen herab senden zu können, oder er hält Gottes Wissen dem menschlichen für unterlegen und sieht sich daher verpflichtet, Seine Gebote hier und da überarbeiten und modifizieren zu müssen. Eine dritte mögliche Erklärung wäre, dass es mal einen Schöpfer gab, der den Menschen Gesandte und Bücher zukommen ließ, sich dann von seinen Geschöpfen abwandte und für immer im Nichts verschwand.

So wie in einer christlichen Gesellschaft Leben und leben lassen, wie wir bereits festgestellt haben, mit Einschränkungen praktiziert wird, kommt dieser Leitsatz auch in der islamischen Gesellschaft bzw. unter den Muslimen ebenfalls mit Einschränkungen zum Einsatz. Es gibt demnach Dinge, die ein Gläubiger akzeptiert, andere, die er toleriert und wiederum andere, die er weder akzeptieren noch tolerieren kann und darf. Die verschiedenen Auslegungen jenes Grundsatzes beruhen unter anderem auf den unterschiedlichen Ansichten über Moral. Und hier bestehen nicht nur Differenzen zwischen Islam und Christentum sondern zum Beispiel auch bei den Christen untereinander. Je religiöser ein Christ ist, desto stärker ist sein Handeln durch religiöse Grundsätze geprägt, wobei seine Grenzen feste moralische Prinzipien sind. Je mehr er sich von seinem Glauben entfernt, desto weicher wird dieses christlich-moralische Gerüst. Übrigens gilt diese Regel auch für die Muslime: es gibt Stufen im Glauben und je stärker sein Glauben und seine Gewissheit, dass Allah ihn ständig sieht, desto wahrhaftiger ist er in seinen Taten und vorsichtiger die Grenzen göttlicher Gebote nicht zu übertreten. Der Unterschied jedoch zwischen diesen beiden Religionsgemeinschaften ist, dass es keinen Muslim auf dieser Welt gibt, der von sich behauptet ein Muslim zu sein, und dabei Allahs Existenz und den Jüngsten Tag leugnet. Dagegen finden wir Christen, die sich zur selben Zeit als Atheisten bezeichnen, oder andere, die an so etwas wie Gott glauben und bisweilen ihren Gott in sich selbst oder in der Mutter Natur entdecken. Wiederum andere sind von einem schöpferischen Gott überzeugt, sprechen ihm aber die Fähigkeit ab, die Menschen wiederzubeleben und sie am Tage des Gerichts zu versammeln. Das heißt, die Vorstellung von Moral eines Mönches, der sich für ein Leben zum Wohlgefallen Gottes  und fernab von jeglichen weltlichen Versuchungen entschieden hat, ist gewiss eine andere als die eines durchschnittlichen Christen, der eine Kirche zu seiner Konfirmation das letzte Mal von innen gesehen hat. Für ihn spielt der Glaube eine untergeordnete Rolle und sein Handeln ist nicht von christlichen Grundwerten geprägt und daher leicht wandelbar. Was die Moral anbelangt, so finden wir zwischen dem Islam und dem Christentum viele Übereinstimmungen und viele Diskussionen würden sich erübrigen, hätten sich nicht so viele Christen von ihrer Religion entfernt. Einem Mönch muss man nicht erklären, warum der Ehebruch eine Sünde ist. Er würde es niemals dulden, dass in seinem Kloster ein Götze aus Stein zur Anbetung aufgebaut wäre, da es nach seinem Wissen ein blasphemischer Akt und eine Entweihung der Heiligkeit seines Klosters. Der Glaube eines Muslims spielt sich nicht allein hinter Wänden ab. Er kann die  Entweihung Gottes Namen auf keinem Stück dieser Erde tolerieren. Er wird nicht schweigen, wenn andere über Gott schimpfen, ihn verfluchen oder mit Tieren gleichsetzen. Du sollst den Namen des Herrn, deines Gottes, nicht missbrauchen. Das nimmt er genauso ernst, wie Du sollst nicht töten.

Leben und leben lassen, wie es heute allgemein gabraucht wird, ist ein Kind der sogenannten Aufklärung aus dem 18. Jahrhundert, das sich von Beginn an gegen den Glauben, in diesem Fall vor allem dem Christlichen, positioniert hat. Man wollte damit die Fesseln christlicher Reglementierungen in Bezug auf Tugend und Moral innerhalb der Gesellschaft durchtrennen. Letztlich war die Aufklärung mit ihren darwinistischen Theorien die Bestattung der Kirche, die im Westen der Statthalter des monotheistischen Glaubens war. Und bewusst sage ich war, da sich seit dem die Kirche nie wieder von diesem Niederschlag erholt hat. Sie ist wie ein taumelnder, von Schlägen gezeichneter Boxer, der die Hoffnung auf einen Sieg schon längst aufgegeben hat, stattdessen nur noch darauf bedacht ist, auf den Beinen zu bleiben, ohne debei zu merken, dass er schon lange nur noch Mitleid oder Spott vom Publikum erntet. Die Medien, Hollywood und Co. haben ihren Beitrag für ihren Niedergang geleistet. Unzählige Filme, Berichte und Dokumentationen über Inquistionen, Hexenverbrennugen, machthungrige Missionare, intrigante Päpste und Bischhöfe, blutige Glaubenskriege etc. wurden der Menschheit bereits unterbreitet, ohne zu merken, welche Intention dieser Arbeit entsprang. Ich sage nicht, dass alles Lüge ist, aber Hollywood ist wahrlich keine Quelle der Wahrheit, weder bekannt für Untertreibungen noch als Statthalter des Guten auf Erden. Aber ich sage, Hollywood war und ist bis zum heutigen Tage der Trend- und Mindsetter der Massen. Vor einem derartigen Einfluss kann die Kirche nur noch vor Neid erblassen. Mit anderen Worten: die Religion als Moralinstanz und Leitfigur wurde ersetzt.

Im Zuge jener Verunglimpfungen gegen das Christentum, wurde auch der Islam auf Grund einiger interreligiöser Schnittmengen basierend auf monothesitischen Lehren, mit diversen Anschuldigungen konfrontiert. Eine davon, dass auch der Islam missioniert und dieser Arbeit gerne mit dem Schwert Nachdruck verleiht.

Dabei fürchtet man gegenwärtig und hier zu Lande weniger das Schwert, das  einen zwingt,  Muslim zu werden, zumal der Geschichtskundige weiss, dass die Zwangskonvertierung dem Islam im Grunde fremd ist und das Ausnahmen nicht repräsentativ für diese große Religion angesehen werden dürfen.Vielmehr ist es das Wort, das man fürchtet und aus diesem Grunde intellektuelle interreligiöse Auseinandersetzungen öffentlich eher meidet, um nicht noch mehr seinesgleichen an diese fremde Kultur zu verlieren. Und diejenigen, die ihrem Bann bereits zum Opfer gefallen sind, wurden entweder vorsätzlich beeinflusst oder erlagen einer Gehirnwäsche, wie sooft berichtet wird, wenn die Spezies der Konvertiten näher unter die Lupe genommen wird. Selten wird erwähnt, dass sich die meisten Menschen auf Grund rationaler Abwägung zwischen den verschiedensten Glaubensrichtungen und Ideologien für den Islam entschieden haben, stattdessen wurden sie angeblich stets betört und beeinflusst, sind in falsche Hände geraten, suchten nach mystischen und spirituellen Weiten, oder sie waren einfach Menschen ohne Hoffnung, Zukunft und sozialem Halt, die sich in dieser Welt nicht mehr zurechtfanden und in den Glauben flüchteten. Islam bedeutet demnach niemals ein Fortschritt sondern Rückschritt.

Wenn sich Menschen für andere Religionen außer den Islam entscheiden, zum Christentum konvertieren, zu Buddhisten werden oder sich den hinduistischen Lehren angezogen fühlen, wäre man sehr vorsichtig mit der Behauptung, diese Individuen seien einer Gehirnwische zum Opfer gefallen. Insbesondere wenn es sich dabei, um intelligente frei denkende  Personen handelt. Da auch zum Islam Menschen aus allen Ebenen der Gesellschaft konvertieren und die Gründe dafür sehr vielschichtig sind und auf unterschiedlichen Erfahrungen mit dieser und anderen Religionen gründen, sollte man langsam davon Abstand nehmen, diese Individuen als Opfer einer manipulierenden Kraft zu betrachten. Vielmehr ist der Islam eine Religion, die nach allen Seiten offen und für jeden Menschen zugänglich ist. Ob es sich dabei um Bücher, interreligiöse Veranstaltungen, Moscheeführungen, islamische Internetforen und – seiten handelt, jeder Mensch hat die Möglichkeit sich über diesen Glauben auch anonym zu informieren. Um andere vorsätzlich zu beeinflussen, werden Mittel und Methoden herangezogen, die die Fähigkeit haben entweder die Wahrheit zu verdecken oder das Nichtige und Nichtvorhandene aufzuwerten bzw. zu erlügen, so dass jeder Zweifel hinsichtlich ihrer Richtig- und Wertigkeit ausgeräumt wird.

Dabei ist es gerade ein Teil der westlichen Welt, die eigentlich den Muslimen die Anwendung derartiger Methoden unterstellt, derjenige, der sich dieser fragwürdigen Werkzeuge zu Nutzen macht. Sei es potentielle Wähler mit einfachen Slogans und gestellten Bildern für eine Partei zu gewinnen oder Produkte, die offensichtlich schädlich für den Verbraucher sind, mit Hilfe von Werbetools, die ohnehin nicht als Quelle der Wahrheit gelten, anzupreisen. Dabei bedient man sich nicht selten Methoden, die das Unterbewusstsein eines Menschen gezielt beeinflussen soll, um das entsprechende Produkt zu kaufen. Und Kinder zählen sicherlich zu der dankbarsten Zielgruppe, da ihre Psyche offen für jeden Reiz ist und dazu den geringsten Widerstand in ihrer Triebsteuerung besitzt. Denkt man nur einmal an die so genannte „Quengelware“, die ganz gezielt an den Kassen der Supermärkte postiert ist, um den Kindern in der Warteschlange genug Zeit zu geben, ihr Interesse zu wecken, um dann eben so lange zu quengeln, bis die arme und ohnehin gestresste Mutter oft keinen anderen Ausweg mehr hat, als nachzugeben und etwas tiefer in die Tasche zu greifen. Möglicherweise wird der Begriff freie Marktwirtschaft missverstanden, denn offensichtlich sind den Methoden, den Menschen ihr Geld zu entlocken, keine Grenzen gesetzt. Und wenn bereits zweijährige als eine Zielgruppe, wie im Falle der Teletubbies, erfasst werden, dann sollte man den Begriff Gehirnwäsche neu definieren und dort gebrauchen, wo sie tatsächlich stattfindet.

Ebenso ist es ein offenes Geheimnis, dass sich Supermächte weltbekannten Nachrichtensendern   bedienen, um ihre Politik durchzusetzen und jeder Rebellion vorzubeugen und den Unmut der Völker im Keim zu ersticken. Man könnte noch viele andere Beispiele aufzählen, die uns bestimmt nicht allzu fremd wären und trotz ihrer Offensichtlichkeit und schon beklemmender Einfältigkeit, innerhalb einer intelligenten Gesellschaft erstaunlich unbeachtet bleiben.

Von einer Gehirnwäsche kann man dann sprechen, wenn die Wahrheit nicht mehr das Ziel ist und Fakten absichtlich zurückgehalten werden, um die Zielperson auf die gewünschte Spur zu lenken. Der Islam hingegen ist eine Weltreligion und keine Sekte, die Offenlegung fürchtet. Weder wird etwas verborgen noch ist er von äußerer Kritik bewahrt geblieben, zumal die kritischen Stimmen gerade in der heutigen Zeit unüberhörbar sind, und somit jeder bereits mit der vermeintlich negativen Seite des Glaubens konfrontiert wird, bevor er überhaupt etwas über seinen Inhalt erfährt.

Die Mission dagegen hat eine andere Bedeutung. Ihr Ziel ist es eine herrschende vermeintlich schlechte Lage, sei sie geistiger oder auch materieller Art, zu verbessern. Ihr Wesen ist also edler Natur. Was die Menschen dann innerhalb dieser Aufgabenerfüllung an Schlechtigkeiten begehen ist nicht ein Bestandteil der ehrenvollen Aufgabe, sondern einzig und allein ein Produkt des menschlichen Versagens und die Manifestation seines zum Üblen neigenden Charakters.

Mit diesem Hintergrund kann der Muslim es hinnehmen als Missionar bezeichnet zu werden so wie es zum Beispiel ein Politiker tun müsste. Dessen Mission bzw. Aufgabe besteht darin, wie er selber betont, den Menschen zu dienen, ihnen Gutes zu bringen und den Gedanken der Demokratie zu verbreiten und die Menschen davon zu überzeugen. Der Muslim dagegen bemüht sich, dass alle Menschen ohne Zwang an den einen Gott glauben, ihm dienen, sich vor Schlechtem fernhalten und das Gute fördern und unterstützen. Und dabei steht es jedem frei zuzuhören und seinem Verstand zu folgen und auf ihn zu vertrauen oder aufgeschreckt sich Augen und Ohren zuzuhalten und weiterhin bezüglich dieser Religion voreingenommen zu leben. Aber das Problem ist, dass sich viele Menschen vor allen Dingen durch Film und populistische Literatur haben beirren lassen, und nun denken, sobald jemand versuche, sie in religiösen Fragen zu überzeugen, sie sich mit einem Missionar konfrontiert sehen, von dem sie nichts anderes erwarten als schlechte Absichten und längst überholte Denkweisen und Theorien. Ein Mensch dagegen mit intaktem Intellekt und offenem Herzen, stellt sich unvoreingenommen allen Fragen unserer Welt ohne Furcht einer Gehirnwäsche zum Opfer zu fallen und folgt seinem Verstand und der Logik. Er ist stets bereit seine Position zu überdenken, da er begriffen hat, dass sein Wissen und seine Kultur nicht das Maß aller Dinge sind. Dafür hat die Geschichte schon zu viele andere Hochkulturen hervorgebracht und sie auch wieder untergehen lassen, die von sich uneingeschränkt überzeugt waren und alles andere ignoriert oder gar bekämpft haben.

Leben und leben lassen ist, wie wir bereits festgestellt haben ein wesentlicher Bestandteil unseres Glaubens. Dennoch heißt das nicht wegzuschauen und sich nur um sein eigenes Wohl zu kümmern. Leben lassen bedeutet für uns nicht, einen Raucher nicht daran zu erinnern, dass Zigaretten schädlich seien und ihn durch Werbung noch dazu zu ermuntern, sein Geld für dieses Übel zu verschwenden. Wir werden einen Seitenspringer in seinem Tun weder bestätigen noch ermuntern, stattdessen werden wir ihn daran erinnern, dass er eine Familie hat, die unter den Folgen dieses unbedachten Handelns leiden wird. Es ist keine Einschränkung der individuellen Freiheit, Menschen über etwas offensichtlich Schlechtes aufzuklären oder das selbige von ihnen fernzuhalten, denn wie heilig und wertvoll kann der Nutzen sein, wenn der Schaden überwiegt.

Der Glaube an den einen Gott stellt für uns Muslime den Kern unserer menschlichen Existenz dar und kann in unserer Gesellschaft niemals ein Wahlfach sein. So wie ein Forscher bemüht ist, seiner Ansicht nach falsch aufgestellte Thesen zu widerlegen und sie zu korrigieren, mit dem Antrieb der Wahrheit einen Schritt näher zu kommen, so sehen auch wir Muslime uns dazu verpflichtet Irrglauben und Götzentum mit Argumenten und Beweisen zu widerlegen, selbst wenn andere unsere Ansichten ebenfalls als für reine Vermutung erachten, wir aber nichtsdestotrotz das Recht haben, unsere Sicht der Dinge zu propagieren. Und trotz unseres Eifers und des Wunsches, die Menschen von der Dienerschaft an Götzen und Tieren zum Glauben an den einen Gott zu führen, verlieren wir das Grundprinzip unseres Glaubens nie aus den Augen: Es gibt keinen Zwang im Glauben

Dies ist die Botschaft des Qur’an, an die jeder Muslim glaubt und befolgt bzw. befolgen muss. Er ist also weit davon entfernt, jemandem den Islam gegen seinen Willen aufzuzwingen, im Gegenteil: im Falle dass sich jemand entschließt den Islam anzunehmen, wird er, bevor er das Glaubensbekenntnis ausspricht, noch einmal nach seiner wahren Absicht befragt. Der praktizierende Muslim weiß nämlich, dass die Zunge durch das Herz bestätigt werden muss, andernfalls bleibt es ein Lippenbekenntnis und bei Allah ohne Wert, denn jede Tat wird an ihrer Absicht gemessen.

Ferner wird das Wort bekehren falsch verstanden und missbraucht. Aus islamischer Sicht heißt Bekehrung nichts anderes, als das Wissen an andere weiterzugeben. Vor Allah liegt unsere Verantwortung nicht im Resultat bzw. in der tatsächlichen Verbreitung des Glaubens, wie es vielleicht bei den Christen  der Fall war, sondern einzig und allein in der Verkündung der Botschaft. Wie die Menschen danach mit diesem Wissen umgehen, bleibt allein ihnen überlassen. Und Allah hat diesbezüglich eine klare Instruktion an alle Propheten und ebenso an die Gläubigen gegeben, indem Er sagt:

Sag: Gehorcht Allah und gehorcht dem Gesandten. Doch wenn ihr euch abkehrt, dann obliegt ihm nur das, was ihm auferlegt ist, und euch obliegt, was euch auferlegt ist. Wenn ihr ihm aber gehorcht, seid ihr rechtgeleitet. Und dem Gesandten obliegt nur die deutliche Übermittlung der Botschaft.[3]

Sähe ein Wissenschaftler auf Grund klimatischer Veränderungen eine potentielle bzw. mögliche Gefahr für die Menschen und würde er sie vor dieser Bedrohung immer wieder warnen, würde ihn niemand der Bekehrung bezichtigen, obwohl die Erkenntnis, trotz zahlreicher und deutlicher Beweise, für viele nicht überzeugend genug wäre. Und falls es tatsächlich eintreffen würde und die Menschen den Umständen entsprechend handeln würden, wären die, die vor größerem Schaden bewahrt blieben, für ihr Leben dankbar, doch für andere, die sich die Ohren zuhielten und die Zeichen einer Katastrophe nicht erkannten, käme jede Hilfe zu spät. Im Falle jedoch, dass sich die Warnung nicht bewahrheitet hätte, wären die Menschen in keinem Verlust. Sie würden womöglich in Zukunft bewusster Leben und ihrer Umwelt weniger Schaden zufügen.

So machen auch wir die Menschen aufmerksam auf ein bevorstehendes Ereignis, den Tod und den Tag der Auferstehung, an das wir fest glauben. Genauso wie der Wissenschaftler falsch handeln würde, wenn er seine Kenntnisse und Überzeugungen verschweigen würde und so am Unglück anderer schuldig wäre, sehen auch wir die Verpflichtung, die Menschen an ihr unausweichliches Schicksal zu erinnern und sie vor ihrem Unglauben an Den, Dessen Macht und Gewalt alles, vom Atom bis zum Universum, umfasst, zu warnen. Wenn Er doch der Schöpfer ist, so ist er nicht unachtsam gegenüber seinen Geschöpfen und sieht und weiß alles, was sie tun.

Gewiss, Allah kennt das Verborgene der Himmel und Erde. Und Allah sieht wohl, was ihr tut.[4]

 Sollte denn Derjenige, Der erschaffen hat, nicht Bescheid wissen? Und Er ist Der Feinfühlige und Allkundige.[5]


[1] al-Baqara, 256

[2] Das heutige Spanien

[3]  an-Nur, 54

[4] al-Hugurat, 18

[5] al-Mulk, 14