Monatsarchiv: November 2012

Warum schreibe ich…

Die islamische Literatur zählt ohne Zweifel zu der Reichsten und Vielfältigsten unserer Zeit, abgesehen von den unzähligen und unbezahlbaren Schriften, die im Laufe der Geschichte auf Grund kriegerischer Auseinandersetzungen und anderer einschlägigen Ereignisse, wie der verheerende und zerstörerische Einfall der Mongolen auf die arabischen Halbinsel im 13. Jahrhundert,  vernichtet oder verbrannt wurden oder einfach verloren gingen. Obwohl es den Anschein hat, als hätten unsere früheren Gelehrten alle Aspekte und Themenbereiche des Glaubens bereits mit ihrem scheinbar unerschöpflichen und unvergleichlich großen Wissen auf Papier niedergeschrieben, haben die nachfolgenden Generationen bis zum heutigen Tage nie aufgehört, ihr Wissen und ihre Gedanken in Büchern und inzwischen virtuellen Medien zu verewigen. Der Grund dafür liegt im stetigen und unvermeidbaren Wechsel von Zeit und Ort und den immer wieder neuen Umständen und Herausforderungen, mit denen der Islam stets aufs Neue konfrontiert wird und somit gefordert ist, entsprechende Antworten zu liefern.

Natürlich würde es mir nie in den Sinn kommen, mich auf Grund einiger verfasster Zeilen am Ende einer Kette jener großen Gelehrten und außergewöhnlichen Denker zu sehen, die, im Vergleich zu uns, das Licht und wir nur der Schatten sind. Wie es uns der Gesandte Allahs  bereits  lehrte, indem er sagte: Die Gelehrten sind die Erben der Propheten. Die Gesandten haben weder Schätze noch Reichtümer hinterlassen, stattdessen haben sie den Menschen ihr Wissen vererbt. Ebenso wenig war und ist die Absicht und das Ziel wahrhaftiger Gelehrter des Islam materieller Art, sondern Wissen zu verbreiten, das den Menschen im Diesseits und vor allem im Jenseits von Nutzen ist.

Nichtsdestotrotz habe ich mich entschlossen allein auf Grund des Mangels deutschsprachiger islamischer Literatur, die sich insbesondere auf unsere heutige Gesellschaft und das Land, in dem wir leben, bezieht, im Rahmen meiner begrenzten Möglichkeiten, einen bescheidenen Beitrag zu leisten. Obwohl das Internet in meinen Augen ein zweischneidiges Schwert ist und bleibt, und am Ende unter dem sozialen Aspekt eher den Rückschritt als den Fortschritt eingeleitet hat, ist es ein Medium, das man nicht mehr ignorieren kann, wenn man viele Menschen erreichen möchte. Ich gehöre eher zu den Nostalgikern, die gerne wieder vom Blech aufs Pferd umsteigen würden, doch bleiben es verschwendete Gedanken und Träumereien. Das Rad kann man nun mal nicht mehr zurückdrehen bzw. nach heutiger Redensart: die Welt lässt sich nicht mehr formatieren.

Angesichts der neuen Umstände und gewaltigen Herausforderungen, denen sich der Islam in diesen Zeiten gegenübersieht, bedarf es viel Arbeit und Mühe, den wahren Kern dieser Religion auch nach außen hin rein zu halten und zu bewahren. Und dabei sind es insbesondere die Medien, die uns Muslime immer wieder und häufiger auf die Probe stellen und das Äußerste von uns abverlangen. Die allgemeine Stimmung und Haltung der Bürger eines Landes ist nun einmal geprägt und zweifelsohne beeinflusst durch die Medien und den Leitthemen und Schlagzeilen aus Funk, Fernsehen und Presse. Somit tragen die Medien eine enorme Verantwortung bezüglich der intellektuellen aber auch moralischen Entwicklung des gemeinen Volkes. Sie ist in dieser unseren Zeit in jeder Hinsicht die wirkungsvollste Waffe und somit ein Segen für den Retter oder eine Versuchung für den Übeltäter. Leider aber mussten die Muslime bislang feststellen, dass diese Mittel überwiegend nicht zu ihren Gunsten genutzt wurden. In den letzten Jahren kann ich mich nicht an eine einzige Titelseite irgendeiner Boulevardzeitung erinnern, die etwas Positives über den Islam zu berichten wusste. Dagegen scheinen Negativschlagzeilen über unsere Religion die Titelblätter regelrecht abonniert zu haben. Angst, Bomben, Terror, Schleier, Fundamentalismus, Zwangsehe, Kopftuch, Unterdrückung, Gehirnwäsche, Parallelgesellschaft, Mullahs, Salafismus etc. Ein großer Teil der Menschen hierzulande wird all diese Begriffe auf Anfrage auf Anhieb mit dem Islam in Verbindung bringen, und ein nicht geringer Teil von ihnen, mit innerer Überzeugung, obwohl viele unter ihnen weder die wahren Inhalte dieser Religion kennen noch ihr unmittelbar begegnet sind. Ihr Wissen über den Islam beschränkt sich zum größten Teil auf fettgedruckte Buchstaben und sich ständig wiederholenden Anklagen, und selten sind es fundierte Kenntnisse, die eigentlich einen Bürger der zivilisierten und aufgeklärten Welt schmücken sollten. Natürlich gibt es Menschen und eine bestimmte Schicht unter der Bevölkerung, die sich nicht durch Emotionen leiten lassen und neben ihrem Interesse und Wissensdrang auf Grund ihrer Unvoreingenommenheit stets kritisch insbesondere gegenüber den Medien geblieben sind. Der gesunde Menschenverstand kontrolliert sich bevorzugt selbst, indem er hinterfragt und forscht, statt sich von Außen kontrollieren zu lassen und jedem Ruf  und seinem Ausrufer hinterher zu rennen.

Es liegt mir fern Andere anzuklagen noch zu behaupten, dass ein Muslim fehlerlos sei, zumal er es ist, den ich an erster Stelle kritisieren würde, da er es versäumt hat, den Glanz des Islam, den er einst besaß, zu erhalten und sogar auf Grund seiner unislamischen Lebensweise oder falscher Umsetzung seiner Religion jedem Kritiker unseres Glaubens ein leichtes Ziel und etliche Angriffspunkte geliefert hat.

Eine Intention dieses Blogs war es nicht diese Fehler und Verfehlungen wieder gut zu machen, da der Islam selbst keiner Korrektur bedarf und frei von Fehlern und Mängeln ist, sondern den Glauben in seiner reinen, wahren Form darzustellen, indem jene Behauptungen und Anschuldigungen aufgegriffen werden, die das Bild des Islam offensichtlich verzerrt haben. Dabei möchte ich jedoch betonen, dass es nicht an einem Gläubigen liegt, sich in irgendeiner Weise für seinen Glauben zu rechtfertigen, dann eher an denen, die ihre Religion entweder gar nicht oder ohne Wissen praktizieren und damit unwissentlich dazu beitragen, dass der Islam an Ansehen verliert. Dies soll mitunter eine kleine Hilfe für jeden Bruder und jede Schwester im Islam sein, den heutigen Angriffen und Anschuldigungen gegen ihren Glauben standzuhalten und auf beste Art und Weise mit den Andersgläubigen zu diskutieren, was zugleich laut des Qur’an auch eine Verpflichtung für den Gläubigen ist:

Und streitet mit den Leuten der Schrift nur in bester Weise, außer denjenigen von ihnen, die Unrecht tun. Und sagt:„Wir glauben an das, was (als Offenbarung) zu uns herabgesandt worden ist und zu euch herabgesandt worden ist; unser Gott und euer Gott ist Einer, und wir sind ihm ergeben.“[1]

Des weiteren ist dieser Blog eine Einladung für jedes offene und aufrichtige Herz, dass dem Islam in seiner reinen Form noch nicht begegnet ist, sein Bild über diese Religion mit Hilfe fundierten Wissens und gesundem Verstand neu zu gestalten und im mindesten Fall die Vorurteile und Abneigungen, die es möglicherweise gegen den Islam hegte, zu überdenken. Im gleichen Maße wie der Mensch bereit ist, jede andere Wissenslücke bereitwillig und der Wahrheit ihr Recht gebend zu füllen, so sollte er auch dem Islam dieses Recht zugestehen, um auch weiterhin objektiv und gewissenhaft in seinen Gedanken und Taten zu bleiben.

Der zweite Schwerpunkt neben dem Islam in diesem Blog ist das allgemeine politische Weltgeschehen, insbesondere das der gegenwärtigen sogenannten Kriesenregionen. Es ist einfach nicht so, wie heute immer noch viele behaupten, dass die Medien objektiv und neutral berichten, und hier sind vor allem die Mainstream-Medien gemeint, zumal sie vom überwiegenden Teil der Bevölkerung genutzt bzw. an sie verabreicht werden. Das heisst der normale Mensch, der nicht die Gewohnheit hat, die Wahrheit unter den Tischen und in den dunklen Sphären des Web-Space zu suchen, ist gar nicht mehr in der Lage das Wahre aus dem Gros der Informationslawinen herauszufiltern. Denn Lüge plus Lüge kann nur Lüge und niemals Wahrheit ergeben. Für den Kundigen ist es schon lange kein Geheimnis mehr, dass die einflussreichsten Medien vermeintlicher Weltmächte in Händen abgezählter Mächtigen ist, die sich widerum gerne in der Nähe der Mächtigen aufhalten. Betrachtet man allein Deutschland stellt man fest, dass ca. 70% aller Printmedien in Hand nur zweier einflussreicher – ich würde sie Familien nennen – Unternehmen ist. Sie bilden letztlich die Meinung der Massen. Und nur sie sind in der Lage jeder Zeit riesige Wellen auszulösen, die enormen Einfluss auf Gesellschaft und Wirtschaft haben. Rein theoretisch könnten sie mit einer Nachricht, alle Börsen dieser Welt gleichzeitig einbrechen lassen und die Weltwirtschaft zum erliegen bringen. Ob sie nun wahr war oder bloß eine Ente, dass spielt nur hinterher eine Rolle.

Wir, die Kleinen, sollten uns nichts vormachen. Wir können den Großen nur die Zunge zeigen – was sie in der Regel nicht sonderlich beeindruckt  – und den einen oder anderen auf diese Truman’s Show aufmerksam machen . Wir suchen uns Gewässer – wie diese Blogs – abseits dieser Mediengiganten, in denen wir mit Kieselsteinen noch kleine Wellen erzeugen können mit der Hoffnung von den Großen unentdeckt zu bleiben, die alles überfluten würden. Das Problem ist nur, dass die Masse nicht nach ruhigen Orten ausschau hält, sondern stets dort zu finden ist, wo die Musik spielt. Doch die Hoffnung stirbt zuletzt, und wir werden nicht nach dem Ergebnis gefragt, sondern unserer Absicht und unseren Taten. Das Ziel scheint unerreichbar zu sein, aber wie sagt man so schön: jede Reise beginnt mit einem Schritt.

Am Ende möchte ich mich im Voraus für alle Fehler, die möglicherweise in diesem Blog zu finden sind, entschuldigen, mit der aufrichtigen Bitte, sie mit bester Absicht und klarem Beweis offen zu legen und zu korrigieren. Und alles Gute kommt von Allah und alles Schlechte von mir selbst.

Alles Lob gebührt dem Schöpfer der Himmel und der Erde und ich  bitte Ihn, den Barmherzigen, meine bescheidene Arbeit und Mühe anzunehmen, sie zu einem Nutzen und einem Licht für die Menschen zu erheben und es am Tage des Gerichts zu meinem Fürsprecher auszuwählen.


[1] Sura al-Ankabut, Vers 46